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Andacht - Gedanken zum 13. Juni 2021

Das Frühjahr und der nun endlich beginnende Sommer will uns einladen, neue Reserven zu tanken und hoffentlich mal zur Ruhe zu kommen. Gemeint ist damit die innere Ruhe, ausgeglichene Stille, die das Herz öffnet für neue Kraft, Hoffnung, Zuversicht und die Liebe Gottes. Wir dürfen spüren, dass wir durch Seine Nähe und durch Ihn gestärkt und ermutigt, unseren Weg durch das Leben mit allen Höhen und Tiefen, Anfechtungen und Fragen gerade in dieser für uns so unruhigen und schwierigen Zeit gehen können – Wir sind nicht allein – Er geht mit – Gott sei Dank!
Aber wir dürfen auch zutiefst dankbar für die Freuden unseres Lebens sein. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die uns helfen, neue Schritte zu wagen und uns vielleicht auch auf ganz neue Sichtweisen einzulassen.
Eine kleine Geschichte kann dies vielleicht deutlich machen:

Die schönen Momente des Tages

Eine Frau verließ niemals das Haus, ohne sich vorher eine Handvoll Glassteinchen einzustecken. Sie wollte die schönen Momente des Tages bewusst wahrnehmen, um sie besser zählen zu können. Für jede gute, schöne und positive Kleinigkeit, die sie während des Tages erlebte (z. B. ein lustiges Schwätzchen, strahlende Kinderaugen, ein Lächeln, ein gutes Essen, der Schmetterling auf einer Blume, eine kleine Aufmerksamkeit), und für alles, was die Sinne erfreute, ließ sie ein Glassteinchen von der rechten in die linke Jackentasche gleiten.

Manchmal waren es gleich zwei oder drei. Abends zählte sie dann zu Hause die Glassteinchen aus der linken Jackentasche. Sie zelebrierte die Minuten. Sie führte sich dann vor Augen, wie viel Schönes und Gutes ihr an diesem Tag begegnet war. Sie freute sich und dankte ihrem Schöpfer. Und sogar dann, wenn sie nur ein Glassteinchen zählen konnte, war es ein gelungener Tag – ein Tag, an dem es sich zu leben gelohnt hat.

Die Frau in dieser Geschichte hat die guten Erfahrungen und Augenblicke sammeln können, weil sie mit den Augen des Dankes und der Freude schauen konnte. Diese bemerkenswerten und kostbaren Erfahrungen will uns Gott täglich schenken und somit unsere positiven und heilenden Kräfte wecken und stärken. Er will und kann uns zur Quelle des Lebens und der Freude werden – eine Freude, die unsere Seele nährt und in uns ruhen lässt.
Wir finden in Gott unseren Halt und das Gefühl, uneingeschränkt und bedingungslos geliebt und angenommen zu werden.
Und noch eine weitere wichtige Botschaft können wir aus diesen Erfahrungen schöpfen: Wer sich getragen und geliebt weiß, kann diese auch an andere weiterschenken und selbst zur Kraftquelle des Lebens werden.
Lassen wir uns anstecken von all den guten und froh machenden kleinen Dingen, die wir jeden Tag immer wieder neu entdecken können. Es müssen ja nicht Glassteinchen sein, die wir sammeln. Es ist vielleicht auch eine gute Idee, die gesammelten positiven Eindrücke des Tages abends vor Gott zu bringen. Sich ein dankbares Herz zu bewahren, kann in vielerlei Hinsicht – tiefer sehen lehren.
Und wir sollten immer daran denken, dass wir in unserem Denken und Handeln auch immer für- und miteinander leben und von dem, was wir empfangen, weiter geben können – damit das Leben für uns alle zur sprudelnden Quelle werden kann.

In vielen Psalmen wird von dieser grenzenlosen Liebe berichtet. Mit den Betern des Alten Bundes dürfen auch wir Gott loben und danken für alles was er für uns getan und uns in seinem Sohn Jesus Christus geschenkt hat.

Lob und Dank aus dem Psalm 106

Halleluja!
Danket dem Herrn, denn er ist gütig,
denn seine Huld währt ewig.
Wer kann die großen Taten des Herrn erzählen,
all sein Ruhm verkünden?
Wohl denen, die das Recht bewahren,
und zu jeder Zeit tun, was gerecht ist!
Denk an mich Herr, aus Liebe zu deinem Volk,
such mich auf und bring mir Hilfe!
Lass mich das Glück deiner Erwählten schauen/
an der Freude deines Volkes mich freuen,
damit ich gemeinsam mit deinem Erbe
mich rühmen kann.

Dazu segne und behüte uns der barmherzige, liebende und dreifaltige Gott!
Der Vater – der Sohn – und der Heilige Geist.
Amen
Katharina Chitou - Pastorale Mitarbeiterin und Gemeindereferentin Liebfrauen und St. Franziskus


 

Andacht zum 23.5.2021

Worum sorgt ihr euch?

Gedanken zu Matthäus Kap. 6, Vers 25-34

„Komm, setz dich doch, trink einen Kaffee mit mir und erzähle, was dich bedrückt. Ich sehe deinem Gesicht an, dass du Sorgen hast.“

Wie gut tut das, wenn mir da jemand zuhören will, dem ich meine Sorgen mitteilen darf, der sie mit mir teilen möchte.

Da wird es mir oft schon leichter ums Herz.

Sorgen scheinen zu unserem Leben dazuzugehören, wie wir in einer kleinen vorchristlichen Fabel lesen können:

Die Sorge saß am Ufer eines Flusses und formte aus Lehm ein kostbares Gebilde, das ihr sehr gut gelang. Nun sollte es aber auch lebendig werden und sie bat Gott, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. So wurde das Wesen lebendig. Sogleich geriet die Erde mit der Sorge in Streit, wem denn nun dieses lebendige Wesen gehören solle. „Es ist meins“, sagte die Erde, „aus mir ist es gemacht“. „Aber ICH habe ihm die Gestalt gegeben“, meinte die Sorge, „also gehört es mir.“ Schließlich entschied Gott den Streit: „Das neue Geschöpf soll Mensch heißen. Im Leben gehört es der Sorge. Sein Leib gehört im Tod der Erde, die Seele aber, so Gott, sei mein in Ewigkeit.“

Die Wahrheit dieser kleinen Fabel ist wohl tatsächlich die, dass es die Sorge ist, die unserem Leben die Gestalt gibt, sie ist aus dem Leben nicht wegzudenken und oft sogar auch notwendig. So sorgen wir uns: um einen Beruf, damit wir die Familie ernähren können, um unsere Gesundheit, unsere Anerkennung in der Gesellschaft. Beständig begleitet uns die Sorge, Fehler zu machen, etwas zu versäumen, falsche Entschlüsse zu fassen oder Menschen zu verletzen.

Sorge ist noch nicht Angst! Während die Sorge uns immer wieder antreibt, aktiv zu werden und nach Lösungen zu suchen, werden wir oft durch Angst gelähmt.

Wer oder was kann mir da in ausweglos erscheinenden Situationen helfen? Ich greife dann zu DEM Buch, in dem ich immer wieder Antworten finden kann, zur Bibel. Da gibt es bei Matthäus einen Text, der sich mit unseren Sorgen beschäftigt. Ich möchte zwei Passagen daraus in der Übersetzung von Jörg Zink benennen und erklären: „Zerquält euch nicht in eurem Herzen, was ihr essen und trinken und womit ihr euch kleiden sollt. Das Leben,
das Gott euch gab, ist mehr als die Sorge um diese Dinge.“ Mehr als die Sorge um das „Klein-Klein“ des Alltags können wir heraushören, und es gibt ja auch wirklich viel größere Sorgen. Ich verstehe also, dass ich zunächst einmal in das Gewirr meiner Sorgen und Ängste eine gewisse Rangordnung bringen möge. Was ist wirklich wichtig an meinen Sorgen und Ängsten? Was nehme ich selber in die Hand und wieviel Raum gebe ich dem
Vertrauen auf Gottes Mitwirken in meinem Leben? Wenn die Sorge uns im Griff hat, ist wenig Raum für den Glauben, aber wo das Vertrauen auf Gottes Plan mit uns zunimmt, kann die Sorge kleiner werden.

Ich lese in der zweiten Textstelle bei Matthäus: „Sorgt vor allem für den Willen Gottes in dieser Welt und für die Gerechtigkeit, die er meint.“

Was heißt das für uns? Vielleicht kann es mir ja immer auch einmal gelingen, den Blick von meinen eigenen Sorgen aufzuheben in die Richtung zu anderen Menschen, denen ich Mut mache und liebevoll zur Seite stehen kann. Da fällt mir eine kleine Begebenheit aus meinem Leben ein.

Früher hatte ich Flugangst, mir war immer mulmig zumute, ins Flugzeug zu steigen und mich „auszuliefern“. Einmal saß eine Frau neben mir, schweigsam, unbeweglich und mindestens so ängstlich wie ich. Einem Impuls folgend, fing ich an, ihr Mut zu machen, dem versierten Piloten zu vertrauen, das Wunder des Fliegens zu genießen und sie so in ein Gespräch zu verwickeln. Das hat uns beiden geholfen, unsere Flugangst hatten wir vergessen.

„Trink mit mir einen Kaffee und vertraue mir deine Sorgen an, damit wir eine Lösung finden“ ...

So könnte Gott durch uns alle immer mal wieder zu Menschen sprechen.

Erika-Maria Berger, Bortshausen


 

Gedanken zum 9. Mai 2021 - „Der Mai ist gekommen…“

Ursula Kreuder

Und auch, wenn dieser Mai momentan vielleicht noch ein bisschen anders ist als gedacht, etwas kühler, weniger Sonne, eben noch nicht so strahlend wie in den vielen Bildern und Liedern – dann ist da ja das Noch, soll heißen: das wird schon noch! Da kommt wieder mehr Wärme, auch zwischenmenschliche, da, wo im Moment noch immer wieder Abstand geboten ist, denn Mai bedeutet in jeder Beziehung AUFBRUCH.
Und das betonen seine Gedenktage.
„Hinaus zum 1. Mai!“ Das war eine der Parolen, die zur Demonstration der Arbeiter am Tag der Arbeit aufriefen, ab 1890 konnten sie sich endlich mehr (Menschen-) Rechte erstreiten.
Auch dieser 9. Mai heute ist ein Gedenktag:

Da ist zuerst der 9. Mai 1942: An diesem Tag, ihrem 21. Geburtstag, bricht die lebenslustige Sophie auf, auf ins Leben. Zum ersten Mal wird sie nicht mehr zu Hause bei ihren Eltern wohnen, sondern in München beim Studium auf eigenen Füßen stehen, sie wird neue Eindrücke bekommen, neue Freunde, neue Herausforderungen, sie wird reisen und später vielleicht heiraten, Kinder bekommen. Alles scheint möglich für Sophie Scholl an diesem 9. Mai 1942, diesem Geburtstag vor 79 Jahren. Einiges davon erfüllt sich noch, aber es ist ja Krieg und so entscheidet sich Sophie für die größte aller neuen Herausforderungen:
Sich als Widerstandskämpferin unter Lebensgefahr gemeinsam mit anderen gegen die ebenso unmensch- liche wie menschenverachtende Politik der Nationalsozialisten einzusetzen, andere auf die Verfolgung und Ermordung der Juden, die Brutalität des Krieges aufmerksam zu machen. Warum? Damit sie vor sich selbst bestehen kann, vor Gott und allem, was ihr im Leben wichtig ist.

Außerdem ist an diesem 9. Mai 2021 – Muttertag.
Passt das zusammen?
Ist „Muttertag“ denn mehr als Herzen und Rosen auf Torten, einer der Tage für Bäcker und Blumenläden u.a., ist er mehr als ein „Alibi“-Tag?
Gemeint war er anders, als sich die Methodistin Anna Marie Jarvis 1907 in den USA mit allen Kräften dafür einsetzte, dass der 2. Sonntag im Mai ein Gedenktag zu Ehren der Mütter werden sollte. Und sie hatte Erfolg: Immer mehr Menschen schlossen sich ihrem Gedanken an und 1914 entschied der US-Kongress, dass als „Zeichen der Liebe und Verehrung der Mütter“ der 2.
Sonntag im Mai als Muttertag gefeiert werden sollte.
Dieser Muttertag hat aber auch noch andere Wurzeln. Schon in den Anfängen der Frauenbewegung wurde die Mutterschaft mit dem Begriff des Friedens verbunden und das hieß: Die Söhne sollten nicht mehr in Kriegen geopfert werden! Wie sollte man dem denn auch zustimmen können, wenn man ein Kind geboren hat, das man liebt und für das man sorgt, bis es erwachsen ist -vielleicht noch darüber hinaus? Und genauso, wenn man diesen Menschen nicht geboren hat, sich ihm aber auf welche Weise auch immer zugehörig fühlt, wie könnte man zustimmen, dass er in einen dieser unsinnigen Kriege zieht? Ob sich Sophie Scholl mit diesem Aspekt eines Muttertages hätte einverstanden erklären können?
Als ihre Eltern direkt vor ihrer Hinrichtung (im Februar 1943) noch einmal zu ihr dürfen, sagt ihre Mutter zu ihr: „Gell, Sophie, Jesus!“, worauf sie nachdrücklich erwidert: „Ja, Mutter, aber du auch!“

Zum Schluss:

Ein alter Teller, der bei uns im Küchenschrank steht. Das Lied, um das es hier geht, kennen noch wesentlich mehr, als ich dachte. Und junge Mütter oder Väter o.a. singen es noch den Kleinsten vor. Das Lied vom Hänschen, der aufbrechen will – aber von der weinenden Mutter zurückgehalten wird.
Das macht sie richtig, werden Sie jetzt vielleicht sagen, das Hänschen ist noch zu klein. Aber - muss man dann als Mutter weinen?
Geschrieben hat dies Lied der Dresdener Lehrer Franz Wiedemann so um die Mitte des 19. Jahrhunderts, zu der Zeit, als sich auch die Frauenbewegung immer mehr zusammenfand und im Originaltext heißt es:

„… aber Mutter weinet sehr, hat ja nun kein Hänschen mehr.
Wünsch dir Glück, sagt ihr Blick, komm nur bald zurück.
Viele Jahr, trüb und klar, Hänschen in der Fremde war.
Da besinnt sich das Kind, ziehet heim geschwind.
Doch, nun ist’s kein Hänschen mehr, nein ein großer Hans ist er;
Schwarz gebrannt, Stirn und Hand, wird er wohl erkannt?“

Die Mutter im Lied erkennt ihren erwachsenen Sohn wieder und sie hat geweint, weil es eben doch wehtut, wenn es Zeit ist für den Aufbruch eines – nicht mehr kleinen - Kindes.

Aufbruch – wann immer das für uns dran sein kann, im privaten wie im öffentlichen Bereich, freiwillig oder gezwungen, während und vielleicht besonders nach Corona: Aufbruch kann mit der Hilfe unseres Gottes gelingen, der selbst aufgebrochen ist. Mit ihm können wir Grenzen überwinden und vielleicht mit dafür sorgen, dass auch in Zukunft noch gilt: „Wie bist Du doch so schön, o du weite weite Welt“.


Andacht to go - 25.04.2020


Die Schlenker und Kehren sind dieselben wie auf dem Hinweg, aber sie sind jetzt nach draußen gerichtet: Nicht mehr nur auf mich, sondern auf das Du. Und Ahnungen der Liebe, der Liebe Gottes wie der Nächstenliebe durch-dringen mich.

„Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Wort… Jetzt erkenne ich’s stückweise…“
„Nun aber bleibt Glaube, Liebe, Hoffnung, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ (V.12,13)

 

Ich glaube,
dass Gott auch aus dem Bösen
Gutes entstehen lassen kann und will.

Dazu braucht er Menschen,
die bereit sind,
Schwierigkeiten zu überwinden und Gutes zu empfangen.

(nach Dietrich Bonhoeffer)

Andacht in der Osterzeit von Marlis Pippert

Die eine oder der andere von Ihnen erinnert sich vielleicht an die folgende Geschichte aus der griechischen Mythologie:
Der Königsohn Theseus dringt in das Labyrinth des grausamen, Menschenopfer fordernden Minotaurus ein und besiegt ihn. Mit Hilfe des Fadens der Ariadne findet er den Ausgang.
Dieser Mythos wird in der frühen christlichen Kirche umgedeutet: Christus ist der Retter, er dringt in die Mitte des Labyrinths ein und besiegt das Böse der Welt. Er ist in der Mitte der Welt, denn er ist die Mitte des Lebens, des Heils. Er hat den Tod überwunden, ist die Auferstehung und das Leben. Man legte – in Gedanken – ein Kreuz über das Labyrinth, sodass 4 Segmente entstanden, wobei sich die Kreuzesbalken in der Mitte trafen.
Es ist belegt, dass das Begehen der berühmten Labyrinthe in den nordfranzösischen Kathedralen mehrere Jahrhunderte lang fester Bestandteil der Osterliturgie war: Alle gingen den Weg zum Auferstandenen.

Und heute?
Ich habe gelesen, dass sich heute viele Menschen nicht nur auf die großen Pilgerwege machen, sondern auch die „kleinen Pilgerwege“ suchen. Die kleinen Wege, wie sie im Labyrinth zu sehen sind, mit den Wendungen und Schlingen auf dem Weg, der in die Mitte führt. Und damit zur eigenen Mitte und zum Heil, zu Christus. Dabei spielt es keine Rolle, ob man den Weg „echt“ geht oder nur mit dem Finger auf einer Abbildung.

Eine mögliche Wortbedeutung von Labyrinth ist (lat.) labor intus = innere Arbeit. Jede Wendung, jede Schlinge ist der innere Aufruf und stellt Fragen wie:
Was will ich?
Will ich eine Wendung in meinem Leben?
Will ich eine Entscheidung treffen?
Was ist meine Mitte?
Welche Mitte will ich haben?

Die Wendungen im Labyrinth mahnen zur Beantwortung der Frage: Bin ich bereit, das in der Mitte des Labyrinths angebotene symbolische Heil zu akzeptieren?
Denn der Weg des Labyrinths führt unweigerlich zur Mitte.

Und so erreiche ich die Mitte. Alle Gedanken von „unterwegs“, die sicherlich auch wichtig waren, treten in den Hintergrund.

„Und wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle“ (1. Kor. 13, 1)

Auch der Rückweg gehört zum Labyrinth. Auf dem Rückweg ist die Mitte in meinem Rücken. Dann müssen mich die Gedanken, die Erinnerungen, an die Liebe der Mitte führen – tragen.

„Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, sie treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf. (V.4)


 

Briefe

Andacht zum Mitnehmen im Kirchenspiel Cappel-Beltershausen für die Osterzeit 2021

Rike hat sich fertig angezogen. Hinter der Badezimmertür hört sie das Duschwasser laufen. Ihre Tochter hat das Radio laut aufgedreht. Eben laufen Wetter-Ankündigungen, irgendwas von noch mal Kälte.
Rike geht zur Küche, macht das Licht an und sieht auf dem Küchentisch: Da steht ein Zweig mit Knospen in einer Glasvase. Daneben ein kleiner runder Kuchen, Rührkuchen, Schoko und gelb. An der Vase lehnt ein Briefumschlag. Oben in der Ecke trägt er eine kräftige 45, kräftig in orange geschrieben, mit Strahlen drumherum, als ob die Sonne schein scheinen würde. Rechts steht „An Mama“, darunter klebt ein Herz, dunkelrot, gemacht wie Samt, und mit Glitter. Rike streicht mit den Fingerspitzen darüber, weich. „Von Jana“, steht zu unterst.
Rike schluckt. Den auf zu machen, hebt sie sich auf, bis Jana dabei ist.

Die Dusche hat aufgehört zu laufen. Rike setzt den Wasserkocher auf. Leise beginnt er zu sirren. Das Geräusch liebt sie. Unschön dagegen der Lärm der Kaffeemühle, das Schredddern. Aber als die Bohnen klein sind und Rike die Mühle öffnet …… mmh ????

Nur noch eine Tasse! Ja. Mittags keinen mehr bei der Arbeit, hatte ihr die Ärztin neulich gesagt. Und stimmt, vorgestern kam ihr Brief. Rike hatte die Ärztin gebeten, ihr die Ergebnisse auch direkt zu schicken, nicht nur an die Hausärztin. Der liegt noch zu, im Wohnzimmer, im Körbchen bei den Rechnungen.
Janas Zimmertür geht. Schnell noch die Kuchenteller hinstellen, die schönen weißen, bei dem das Porzellan am Rand eingeprägt das Blumenmuster hat.

Einen offenen Brief schreibt Gott an die Menschen: Jesus. Er ist gewissermaßen Gottes Brief an uns.
Jesus nimmt Kranke in den Arm. Wenn viele mit Fingern zeigen, stellt er sich vor die getroffene Person. So dass die Finger ihn treffen. So stirbt er auch: Fast alle rücken von ihm ab. Nachts wird er als politischer Häftling festgenommen und schon nächsten Tag hingerichtet.
Das ist die erste Zeile in Gottes Brief an die Menschen: Ich halte zu allen, die im Elend sind.

Danach hat der Brief noch einen zweiten Absatz. Nämlich:
An einem Sonntagmorgen stellen drei Frauen fest: Jesu Grab ist leer.
Am selben Morgen begegnet er ihnen.
Kurz nur.
„Seht ihr, ich lebe!“
Später fragen sie sich oft: Haben wir uns das in unserer Trauer nur eingebildet?
Seine Worte?

„Ich gehe weiter mit euch.
Wir gehen zusammen in das Land, wo alles im Leben richtig ist.
Der Weg dahin ist weit.
Aber wir werden ankommen.“

Gottes Brief.
Da bei meinen anderen.
Amen.

W. Glänzer, Pfr.


 

Andacht zum Ostersamstag, den 03. April 2021

Wir kommen an
Wir werden still
Wir lassen los
Wir horchen hin

Lied: EG+56
„Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche den Frieden.“

Hanna rennt durch den Wald, stolpert, fängt sich auf, beschleunigt ihr Tempo. Ihre Füße fliegen über Äste, Steine und Wurzeln. Wild pocht ihr Herz. Sie atmet keuchend und taumelt. Ein Stechen in der linken Seite zwingt sie zum Gehen. Allmählich beruhigt sich der Atem. Der Wald duftet nach Erde, Farnen und Harz.
Hanna ist wütend.
Sie geht in die Lehre als Gärtnerin. Sie hat einen guten Ausbildungsplatz gefunden. Die Arbeit macht ihr Spaß, aber die letzten Tage war sie nicht gut drauf. Morgens fiel ihr das Aufstehen schwer, abends sank sie todmüde ins Bett. Ihre Hände waren nicht flink genug. Sie hat zu viel Wasser über die Setzlinge geschwappt, zwei wertvolle Tontöpfe sind ihr aus den Händen geglitten und zerbrochen. Die Chefin stand daneben, schüttelte den Kopf und ging wortlos weg. Hanna schämte sich und war deprimiert. Sie wollte gut sein, ihr Bestes geben. Säen, das Sprießen der Keimlinge beobachten, die heranwachsenden Pflanzen betreuen, dies ist Hannas Welt. Aber diese unglückliche letzte Woche, sie seufzt. Sie zweifelt an ihren Fähigkeiten.
Nora hatte ihren Kummer bemerkt und sie getröstet: „Jede von uns hat mal einen schlechten Tag. Du bist erst seit drei Monaten hier, lass’ dir Zeit. Vor zwei Jahren ging es mir auch so. Wenn ich Stress habe, gehe ich in den Wald. Die Stille hilft mir. Einmal habe ich dort ein Käuzchen gehört und in der Nähe ist ein Reh vorbei gesprungen. Das werde ich nie vergessen.“
Jetzt im Wald erinnert sich Hanna an diese Worte. Laub raschelt unter ihren Füßen, ein Specht klopft an einen Baumstamm. Vor ihr am Wegrand steht ein mächtiger Baum. Die Rinde ist grau. Die dicken Äste strecken sich weit zum Himmel hinauf. Wie alt mag der Baum sein? 100 Jahre, 200 Jahre alt, sicher viele Jahrzehnte älter als sie selbst.
Hannas Finger gleiten über die raue Borke. Sie lehnt sich mit dem Rücken an den Stamm und schließt die Augen. Vor einem Jahr war sie auch im Wald, hat bei der Quelle Osterwasser für ihre Oma geschöpft. Sie lächelt, ach, war das schön.
Heute hat sie diesen Baum entdeckt. Bald werden zart grüne Blätter aus den Ästen sprießen. Wie still es hier ist. Ihre Anspannung löst sich. Sie fühlt Dankbarkeit. Sie wird sich an den Alltag als Lehrling gewöhnen: das frühe Aufstehen, die harte körperliche Arbeit, das Erlernen der neuen Pflanzennamen, das Erkennen der Wachstums-phasen. Sie wird das schaffen, schließlich ist sie nicht allein. Im Team wird sie von Nora unterstützt. Ein Sonnenstrahl streift Hannas Gesicht. Sie öffnet die Augen. Morgen ist Ostern.

Bildquelle: Barbara Domes

Wir wünschen Ihnen eine gesegnete und schöne Osterzeit.

Ihre Barbara Domes und Pfrin. Theresia Zeeden

Gebet
Gott, du bist die Quelle von allem.
In der Stille spüren wir dich.
Maria hat Christus erkannt, als sie seine Stimme hörte. Mach uns zu Hörenden, zu Lauschenden. Wir halten inne und horchen auf die Stille.
Danke, dass du uns nahe bist. Amen

Lied: EG+ 41.2
So schenk nun deinen Segen und führe uns ganz sacht, begleit uns auf den Wegen, die du für uns erdacht.
Und jeder Mensch, ob groß, ob klein, so wie du ihn erschaffen, soll andern Segen sein.

Segen
Wir gehen in diesen Abend mit Gottes Segen:
Möge der Morgen dir Freude bringen
Und der Abend Frieden
Mögen die Sorgen wenige sein
Und der Segen viel.

Lied: EG 98.2
„Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot, wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.“

Johannes 20, 11-16
Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie ins Grab
und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten.
Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.
Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist.
Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen.
Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf hebräisch: Rabbuni!, das heißt Meister!“

Lied: EG 98.1
„Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.“


 

Andacht zum Mitnehmen

28.03.2021
Gisela Block

Anker in der Zeit

Vieleicht kommt in diesem Jahr wieder eine Karwoche, die wir nicht gemeinsam vor Ort, sondern nur in Gedanken gemeinsam begehen können. Uns nur in Gedanken miteinander verbunden fühlen dürfen, vielleicht mit einem starken Bild der Gemeinschaft im Kopf. Einem Bild der Hoffnung und der Kraft!

Wir dürfen gewiss sein, dass wir gehalten werden von dem Zentrum der Geschichte, der Ursprung allen Lebens und unserm Ziel in Ewigkeit.

Gemeinsam fühlen wir uns getragen von den Worten Jesu, dem Kreuz in unserer Mitte und der Gemeinschaft miteinander und wir dürfen gewiss sein: Es gibt ein Licht, das uns den Weg weist, auch wenn wir jetzt nicht alles sehn. Es gibt Gewissheit unsres Glaubens, auch wenn wir manches nicht verstehen.

Das Lied „Anker in der Zeit“ geschrieben von Andrea Adams-Frey, erzählt von der bedingungslosen Liebe, die alles trägt und nie vergeht. Von unerschütterlicher Hoffnung, von einem Licht, das uns den Weg weist, von Rettung in letzter Not, vom ewigen Reich des Friedens.

Liedtext: Anker in der Zeit

Es gibt bedingungslose Liebe,
Die alles trägt und nie vergeht
Und unerschütterliche Hoffnung,
Die jeden Test der Zeit besteht.
Es gibt ein Licht, das uns den Weg weist,
Auch wenn wir jetzt nicht alles sehn.
Es gibt Gewissheit unsres Glaubens,
Auch wenn wir manches nicht verstehn.

Es gibt Versöhnung selbst für Feinde
Und echten Frieden nach dem Streit,
Vergebung für die schlimmsten Sünden,
Ein neuer Anfang jederzeit.
Es gibt ein ewges Reich des Friedens.
In unsrer Mitte lebt es schon:
Ein Stück vom Himmel hier auf Erden
In Jesus Christus, Gottes Sohn.

Er ist das Zentrum der Geschichte,
Er ist der Anker in der Zeit.
Er ist der Ursprung allen Lebens
Und unser Ziel in Ewigkeit,
Und unser Ziel in Ewigkeit.

Es gibt die wunderbare Heilung,
Die letzte Rettung in der Not.
Und es gibt Trost in Schmerz und Leiden,
Ewiges Leben nach dem Tod.
Es gibt Gerechtigkeit für alle,
Für unsre Treue ewgen Lohn.
Es gibt ein Hochzeitsmahl für immer
Mit Jesus Christus, Gottes Sohn.

Er ist das Zentrum der Geschichte,
Er ist der Anker in der Zeit.
Er ist der Ursprung allen Lebens
Und unser Ziel in Ewigkeit,
Und unser Ziel in Ewigkeit


 

#7WochenMit – Postkarten

Andacht 14. März

Die Fastenzeit hat vor einigen Wochen begonnen und ist ein Zeichen dafür, dass wir uns auf dem Weg zu Ostern befinden. Ich persönlich, liebe Ostern, denn es ist ein Fest der Hoffnung und des Neuanfangs, vor allem für die Natur, aber auch für Menschen.

Mit der Evangelischen Jugend Marburg haben wir uns für die Fastenzeit dieses Jahr ein Projekt überlegt, dass nicht wie gewohnt „7 Wochen Ohne“ heißt und man 7 Wochen auf etwas verzichtet, dass man sowieso nach 3 Wochen wieder aufgegeben hat, sondern umgedreht: 7 Wochen Mit. Also sieben Wochen bewusst mit etwas leben, dass uns selber gut tut und/oder unserer Umwelt. Dinge bewusst zu machen fehlt vielen Menschen in der heutigen Zeit und so ist dieses Projekt eine Einladung für ein spannendes Selbstexperiment.

Manche haben sich für 7 Wochen Mit mehr Sport entschieden, oder mit jeden Tag eine Runde in der Natur sein. Andere haben sich für den Versuch die Bibel durchzulesen entschieden, andere für Komplimente verteilen, andere den Versuch Vegan zu leben, oder ohne Plastik, mit ´unnützem Wissen´ über die Welt, begrenzte Zeit am Rechner,.....

Ich habe mich tatsächlich für 7 Wochen Mit Postkarten entschieden. Jeden Tag nehme ich mir Bewusst ein wenig Zeit , vielleicht 10 Minuten und schreibe eine Postkarte. Manchmal ist es nur ein Gedicht, manchmal ein Grüß, manchmal eine Ermutigung, ein Liedtext, ein Witz oder eine Gemeinsame Anekdote. Je nach dem, wovon ich denke, dass es der Person am Anderen Ende Freude bringt. Auch die Motive sind sehr unterschiedlich von witzig, über süß, zu einfach schön.

So kann ich mal wieder kreativ werden und mich inspirieren lassen, alle meine Karten los werden, die sich so über die letzten Jahre angesammelt haben. Und komme auch noch mit Personen in Kontakt, die ich schon lange aus den Augen verloren hatte. Außerdem komme ich so viel raus, beim Gang zur Post oder zum Briefkasten der Person.

Mir hat dieses Selbstexperiment total gut getan. Denn mir ist aufgefallen, dass ich mich in letzter Zeit ständig nur um mich und meine kleine Welt drehe. Aber irgendwann wird das ermüdend. Wir sind soziale Wesen, die für Gemeinschaft geschaffen sind, also sich füreinander einsetzten und kümmern sollten. Nicht um sonst hat Jesus folgende Verse als wichtigstes Gebot bezeichnet:

Liebe Gott mit deinem ganzem Herzen, deiner ganzer Kraft, deiner ganzen Seele und ganzem Verstand. Und Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.

Lukas 10,27

Gibt es eine Person in ihrer Umgebung, die diese Woche ein paar ermutigende Worte gebrauchen könnte?
Einige Wochen verbleiben noch bis Ostern, falls Sie also Lust auf ein Selbstexperiment haben. Herzliche Einladung noch bei 7WocheMit dabei zu sein. Was tut Ihnen gut? Was tut Ihrer Umwelt gut? Ob mit Postkarten schreiben, oder etwas anderem. Nehmen Sie sich Zeit es Bewusst zu tun.

Melanie Neitzel


 

Andacht für den 28. Februar 2021

Gisela Block

Doch du, Herr, bist ein gnädiger und barmherziger Gott mit viel Geduld und voll Gnade und Wahrheit.
(Psalm 86, 15)

Immer wieder gibt es in unserem Leben Zeiten, die sich wie eine Strafe anfühlen. Lebensbedrohende Angst, große Verluste, Trauer um Menschen oder Träume bringen uns in Situationen, in denen wir Gott anschreien und unser vermeintliches Recht auf etwas Besseres einklagen wollen. Die Corona-Krise ist auch ein Einschnitt in unserer Geschichte. Wir fragen uns, was gibt mir die Kraft, dass ich trotz der großen Unsicherheit, trotz der Bedrohung und einer Welt, die auf eine harte Probe gestellt wird, zuversichtlich bleibe?

Gottes Barmherzigkeit –
ist wie eine kostbare Perle

Tief unten auf dem Meeresboden öffnet sich eine Muschel weit, um das Wasser durchfließen zu lassen. Ihre Kiemen nehmen so Nahrungsstoffe auf und leiten diese zur Verdauung in ihren Magen weiter. Plötzlich wirbelt ein großer Fisch in der Nähe mit seiner Flosse eine Sand- und Staubwolke auf.

Sand kann die Muschel überhaupt nicht ausstehen.
Er ist so rau und macht das Leben so beschwerlich und unbequem, und es ist immer so lästig, wenn etwas Sand in die Muschel gerät.
Schnell schließt die Muschel ihre Schalen, doch es ist schon zu spät. Ein hartes, grobes Sandkorn ist bereits eingedrungen und bleibt drinnen, zwischen ihrem Fleisch und der Schale stecken.
Ach, wie unangenehm dieses Sandkorn für die Muschel ist!
Doch Gott hat die Muschel mit besonderen Drüsen ausgerüstet, mit Hilfe derer die Innenseite der Muschelschalen beschichtet worden sind. Diese Drüsen beginnen sofort, das störende Sandkorn mit einer hübschen, glatten, schimmernden Schicht zu überziehen.

Jahr für Jahr fügt die Muschel weitere Schichten von Perlmutt hinzu und umhüllt das kleine Sandkorn, bis sie schließlich eine herrlich schimmernde, kostbare Perle geschaffen hat.

Manchmal sind unsere Probleme wie eines dieser Sandkörner. Sie können wirklich stören und so viel Ärger und unendliche Unannehmlichkeiten verursachen, und wir fragen uns, warum wir das ertragen müssen.

Doch Gott beginnt in Seiner Barmherzigkeit, durch unsere Probleme und Schwächen ein Wunder zu wirken – vorausgesetzt, wir lassen es Ihn tun.

Wir lernen Bescheidenheit und Bereitwilligkeit, wir lernen, verzweifelter zu beten und uns dem Herrn zu nähern, und es macht uns weiser und besser fähig, unsere Probleme zu überwinden.

Wie ein unerkannter Segen, so nimmt der Herr diese rauen Sandkörner in unserem Leben und verwandelt sie nach und nach in kostbarste Perlen von Kraft und Stärke – und das ermutigt wiederum viele andere und schenkt ihnen Hoffnung.

Sei behütet….

Sei behütet auf deinen Wegen, sei behütet auch mitten in der Nacht.
Durch Sonnentage, Stürme und durch Regen hält der Schöpfer über dir die Wacht.

(Liedtext: Clemens Bittlinger)


 

Andacht für den 31. Januar 2021

Wieder bin ich in dieser Situation. Eigentlich sollte es doch klappen. Aber die Sache ist zum Scheitern verurteilt: Mein Körper ist völlig erledigt, mein Geist dagegen hellwach. Ich finde keinen Schlaf.

Die Turmuhr schlägt ein Uhr. Zig Gedanken gehen mir durch den Kopf. Ich arbeite innerlich To-Do-Listen ab, organisiere Veranstaltungen. Halb zwei – immer noch kein Schlaf. Mir fallen Leute ein, bei denen ich mich melden wollte. Ein Geburtstagsgeschenk wollte ich diese Tage noch verschicken.

Was denken eigentlich andere über mich? Habe ich irgendetwas nicht mitgekriegt? Zwei Uhr. Kein Schlaf. Ich wälze mich im Bett, zähle hundert Schafe, atme absichtlich langsamer. Ich stelle mir eine große grüne Wiese vor. Nichts passiert!

Was ist eigentlich los? Warum finde ich keinen Schlaf? Im Kopf ist es laut. Ich bin ganz weit weg von der inneren Ruhe, geschweige denn vom Frieden, der Gelassenheit mit sich bringen soll.

Wohin mit dem Gedankenberg?

Ein Kollege gab mir vor kurzem einen wertvollen Tipp. Er meinte, ich solle abends vor der Türschwelle zu meinem Schlafzimmer stehen bleiben und mit Gott reden. Und zwar über all das, was mir gerade auf dem Herzen liegt und was ich dringend ablegen möchte. Gedanken über Unerledigtes, Aufregendes, Situationen, die noch geklärt werden müssen. Ängste, für die ich Trost und Mut brauche. Sorgen, Lasten, Druck, alles solle ich bei Gott ablegen, meinte er. Bildlich gesehen bleibt der Gedankenberg dann draußen. Im Schlafzimmer gibt es dafür keinen Raum mehr.

Guter Tipp! Noch am selben Abend setzte ich ihn um. Meine Gedanken habe ich bei Gott gelassen. Und ich schloss mein Gebet mit jenem Bibelvers, der mich in Gott geborgen sein lässt: „Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, HERR, hilfst mir, dass ich sicher wohne.“

Machen wir es uns zur Gewohnheit, uns in jeder Lebenslage an Gott zu wenden, ihm unser Leben anzubefehlen und im Bewusstsein seiner Gegenwart zu Bett zu gehen und aufzustehen.

Manchen von uns helfen Lieder, zur Ruhe zu kommen, zu entspannen. Als kleines musikalisches Morgen- und Abendlied könnten Sie zwei Verse aus dem Lied von Paul Gerhardt, singen, summen, lesen……..

Die güldne Sonne voll Freud und Wonne
bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen
ein herzerquickendes, liebliches Licht.
Mein Haupt und Glieder, die liegen darnieder;
aber nun steh ich, bin munter und fröhlich,
schaue den Himmel mit meinem Gesicht.

Abend und Morgen sind seine Sorgen;
segnen und mehren, Unglück verwehren
sind seine Werke und Taten allein.
Wenn wir uns legen, so ist er zugegen;
wenn wir aufstehen, so läßt er aufgehen
über uns seiner Barmherzigkeit Schein.

Amen

Sylvia Naumann

 


 

Andacht zur Jahreslosung

Jedes Jahr bin ich gespannt auf die neue Jahreslosung: Wird es ein Bibelwort sein, das mich die nächsten Wochen und Monate begleiten kann? Hat sie mir etwas zu sagen? Bewegt sie etwas in mir?
Die Jahreslosung für 2021 steht in den Erzählungen des Lukas über Jesu Seligpreisungen (Lk 6,35):

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!

Was zunächst wie eine Mahnung klingt, ein „Befehl“, eine Aufforderung, ist zugleich aber viel mehr. Es ist ein starkes Bild – ich habe jedenfalls sofort ein Herz vor Augen. Ein Vaterherz, das sich voller Erbarmen den Seinen zuwendet. Ein Herz, das überquillt vor Liebe, so dass diese Liebe in die Herzen der Geliebten fließt. Wie bei einem römischen Brunnen, wo das Wasser der obersten Becken die darunter liegenden speist, die es wiederum in die nächsten weitergeben – und so fort.


Grafik: Brunnen Vektoren von Vecteezy

Dieses Wort Jesu sagt mir also erst einmal etwas über Gottes Wesen: er ist barmherzig, also voller Erbarmen. Das weckt in mir warme Gefühle, eine vertrauende Stimmung.

Auf dem Titelbild ist das große rote Herz gleichsam der oberste Brunnen. Alle anderen haben direkt oder indirekt eine Verbindung zu diesem Herzen, werden aus ihm gespeist – so verschieden wie sie sind: groß und klein, glatt und rauh, gerade und gekippt, schwarz und weiß, die meisten bunt, ebenmäßig geformt oder ein bisschen verzogen, sogar verkehrt herum – keines ist einem anderen genau gleich.
Wie Gott barmherzig ist, so kann ich es auch sein, indem ich Menschen, die mir begegnen, wahrnehme, ihre Nöte ernst nehme, zuhöre, behutsam helfe. In Konflikten werde ich ermutigt, nicht mehr nach der alten Regel „wie du mir, so ich dir“ zu handeln, sondern mich auf ein „wie Gott mir, so ich dir“ zu besinnen. Daran erinnert mich die Jahreslosung, das möge sie in mir bewegen.
Ich darf aber auch auf mein eigenes Herz achten, es nicht überlasten, selber Hilfe annehmen. Nehmen und geben und nehmen und geben, ein dauernder Kreislauf – aber die Quelle: sie versiegt nicht.

Unser himmlischer Vater, aus dessen Herz Christus entstammt, fließt über vor Liebe – das haben wir Weihnachten gefeiert. Das möge uns durch das neue Jahr tragen.

Vielleicht hat Elisabeth Cruciger, die erste evangelische Dichterin, schon 1524 ein ähnliches Bild vor Augen gehabt als sie gedichtet hat (EG 67):

  1. Herr Christ, der einig Gotts Sohn
    Vaters in Ewigkeit,
    aus seim Herzen entsprossen,
    gleichwie geschrieben steht,
    er ist der Morgensterne,
    sein Glänzen streckt er ferne
    vor andern Sternen klar;
  2. für uns ein Mensch geboren
    im letzten Teil der Zeit,
    dass wir nicht wärn verloren
    vor Gott in Ewigkeit,
    den Tod für uns zerbrochen,
    den Himmel aufgeschlossen,
    das Leben wiederbracht:
  3. Lass uns in deiner Liebe
    und Kenntnis nehmen zu,
    dass wir am Glauben bleiben,
    dir dienen im Geist so,
    dass wir hier mögen schmecken
    dein Süßigkeit im Herzen
    und dürsten stets nach dir.
  4. Du Schöpfer aller Dinge,
    du väterliche Kraft,
    regierst von End zu Ende
    kräftig aus eigner Macht.
    Das Herz uns zu dir wende
    und kehr ab unsre Sinne,
    das sie nicht irrn von dir.

Zum 2. Sonntag nach Epiphanias
Daniela Wissemann


3 Bilder von Weihnachten

20. Dezember 2020 - Ursula Kreuder

3 Bilder, ja, aber das erste ist „im Kopf“ – d.h.: man muss es sich vorstellen. Versucht das doch bitte mal mit folgender Comic-Situation: Ein Weihnachtsmann (ja klar: roter Mantel, rote Mütze mit weißen Rändern) läuft durch den Schnee und zieht einen Schlitten hinter sich her – schwindelerregend hoch bepackt mit Geschenken. Und genau hier liegt das Problem: Sein einzig möglicher Weg führt ihn durch eine Eisenbahnunterführung, die nicht ansatzweise so hoch ist wie die Geschenke auf dem Schlitten. Trotzdem geht der Weihnachtsmann völlig unbeirrt weiter. Da wäre ja nun die unvermeidliche Folge: Pakete und Päckchen fallen vom Schlitten. Es sei denn, sie wären sehr gut befestigt, aber dann bliebe das Ganze stecken. Danach sieht es aber nicht aus, die Geschenke scheinen leicht zu sein. Von ihnen geht kein Widerstand aus.
So ein Unsinn, könnten Sie jetzt denken, heute gibt es andere Transportwege, nicht zuletzt mit dem Flugzeug.
Aber: wie ist das denn heute? Genauer: wie ist das beim „Lock-down“? Wie viel Gewicht haben da Weihnachts-geschenke? Wird man bei vielen, wie in den Jahren zuvor etwas fühlen wie: „Gewogen und zu leicht befunden“? Oder: „Einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul?“
Oder aber: Könnte es sein, dass sich unsere Geschenke, unsere Art zu schenken etwas geändert haben aufgrund der Pandemie, dieser „Geißel der Menschheit“, wie es eine Zeitung schrieb, aufgrund dieses bisher nie Erlebten, das uns einengt, manchmal einschnürt, ein Gefühl von Ohnmacht hochkommen lässt? Haben unsere Geschenke jetzt vielleicht mehr mit dem eigentlichen Grund des Schenkens an Weihnachten zu tun?

Für das, was 250 000 Menschen 1942 im „Kessel von Stalingrad“ erlebten, ist der Ausdruck „Geißel der Menschheit“ zu schwach. Sie hatten den sicheren Tod vor Augen. Aber auch da kam Weihnachten und ließ den Pfarrer, Arzt und Maler Kurt Reuber auf die Idee kommen, den mit ihm unentrinnbar Eingeschlossenen ein Bild zu schenken. Dieses Bild, mit schwarzer Kreide auf die Rückseite einer Landkarte gemalt, kennen die meisten. Denn es hat Krieg und Tod überlebt.
Überwältigt und sprachlos gemacht hat es die Beschenkten. Einige kamen immer wieder, um es zu sehen: Seine Wärme in der Kälte und seine im Gegensatz zu allem anderen hier anscheinend tatsächliche Unverwundbarkeit.
Ein weiser Mann – vor etwa 700 Jahren hat er gelebt und sein Name war Meister Eckhart – hat gesagt, dass Gott jedes Weihnachten von neuem in uns geboren wird. Wenn das stimmt, kann dann auch ich auf eine Weise „unverwundbar“ werden? Trotz allem?

Und das 3. Bild von Weihnachten?

Es wurde 3 Jahre später im Exil gemalt von Oskar Kokoschka, dem Maler, Graphiker, Dichter. Weihnachten 1945, im ersten Nachkriegswinter, der unzähligen Menschen, vor allem Kindern das Leben kostete, ließ er dieses Bild als Plakat auf eigene Kosten in einer Auflage von 5000 Exemplaren drucken und in den Londoner U-Bahnhöfen aufhängen. Warum? Auf dem waagerechten Balken des Kreuzes steht es, was auf dt. übersetzt heißt: "In Erinnerung an die Kinder von Europa, die sterben müssen vor Kälte und Hunger an diesem Weihnachtsfest“.
So tief es geht – ist er doch mit der linken Hand noch ans Kreuz genagelt – beugt sich der Gekreuzigte hier zu einer Gruppe von Kindern hinab, die ihre Gesichter sehnsüchtig nach oben strecken. Sein eigenes Leiden muss hinter dem der Kinder zurückstehen. Sein rechter Arm hat sich schon vom Kreuz befreit und der Handrücken scheint den Mund eines Kindes zu berühren.
Und meint damit: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“. Er weiß es und wir ahnen es zumindest auch: Zusammen bleiben wir am Leben und niemals bleiben wir im Tod.

3 Bilder von Weihnachten - aus schweren Zeiten (aber wann sind unsere Zeiten leicht?)
3 Bilder von Weihnachten – hinterfragend,
tröstend, auffordernd, Antwort gebend, Richtung weisend, Mut und Hoffnung machend – und mit Sicherheit jedes Jahr wieder.

 


 

Mit anderen Augen sehen


Vor einigen Wochen kam meine Tochter zu mir mit der Hausaufgabe, das obige Bild zu interpretieren.

Es zeigt Mary Poppins aus dem gleichnamigen Film, die aus den Wolken kommt und in Richtung Erde schwebt. Dort wird die Luft durch Fabriken und PKW verschmutzt.

Der Autor „the baptman“ weist in seinen Bildern auf verschiedene Problematiken hin, indem er nicht reale Bilder, sondern Disney-Figuren benutzt, die vielen Menschen ans Herz gewachsen sind. So soll sich ein neuer Zugang zu den gezeigten Themen eröffnen.

Ein wichtiger Punkt in der Geschichte ist der, dass Mary Poppins dann erscheint, wenn Hilfe gebraucht wird, die die Menschen allein nicht mehr leisten können. Im Film benötigt eine Familie ein neues Kindermädchen, mehrere haben bereits erfolglos ihre Stellung gekündigt. Da kommt Mary Poppins ins Spiel.

Sie zeichnet sich durch übermenschliche Zauberfähigkeiten aus, mit deren Hilfe sie Probleme löst. Es braucht scheinbar mehr als menschliche Fähigkeiten.

Auf das Bild übertragen bedeutet dies, dass Umweltprobleme, die die Menschen nicht mehr in den Griff bekommen, nun gelöst werden, indem Kräfte gebraucht werden, die Menschen nicht möglich sind. Insofern zeigt das Bild einen hoffnungslosen Moment, in dem Poppins erscheint.

Die Übertragung ins Christliche liegt nahe. Man könnte sagen, dass göttliche Hilfe nötig ist, wo der Mensch versagt hat, wo keine Möglichkeit mehr besteht, das Ruder herum zu reißen.

Dabei geht mir eine naheliegende Bibelstelle aus dem Psalm 121 durch den Kopf: „Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“

So könnte man das Bild stehen lassen, die Hände in den Schoß legen
und gespannt sein, wie diese Hilfe wohl aussieht.

Aber die Mary Poppins-Geschichte beinhaltet noch einen weiteren Aspekt. Poppins ist eigentlich nicht aufgrund ihrer Zauberkräfte so erfolgreich in ihrem Tun, sondern weil sie den Menschen eine andere Perspektive auf ihr Leben eröffnet. Oft in Liedern, gibt sie ihnen Ideen und Gedanken mit, wie z.B.: „Wenn man alles neu und anders sieht, kann's sein, dass And’res auch geschieht!“

Sie gibt Anregungen zu einem veränderten Blick, sie gibt Anstöße, Prioritäten neu zu setzen und das Leben anders zu gestalten. Und damit verändern sich nicht nur die Menschen, die ihr direkt begegnen. Es werden durch Kettenreaktionen viele Menschen erreicht.

Und das ist - wie ich finde - eine ermutigende Perspektive, auf welchem Weg die Hilfe, die wir benötigen, in die Welt kommt.

Lars Iske

 


 

Andacht für den 22. November 2020,

den Ewigkeitssonntag oder Totensonntag

Dr. Klaus Widdra

„Was soll ich tun?
Der Tod folgt mir, es flieht das Leben“. (Seneca)

Ein uralter Notschrei! Und er gilt für alle Menschen. Denn für uns alle endet das Leben mit dem Tod.
Aber was ist der Tod?

„Keine Angst!“ sagt Sokrates im Jahr 399 v. Chr. sinngemäß zu seinen Richtern, die ihn gerade zum Tod verurteilt haben.
„Der Tod ist für den Menschen in Wahrheit etwas Gutes. Denn er ist entweder so etwas wie ein traumfreier, völlig empfindungsloser Tiefschlaf ohne Ende, oder aber ein Umzug von der Erde an einen anderen Ort.

Beides wunderbar! Etwas Schöneres als eine solch ungestörte Nacht habt Ihr doch noch nicht erlebt. Und das Sterben als ein Umzug an einen anderen Ort – wie schön! Ihr findet dort gerechtere Richter und trefft auf Menschen, die Euch lieb waren, oder denen Ihr immer mal begegnen wolltet.“
Auch wir Christen glauben an die Auferstehung, an die Wiedergeburt in der Nachfolge des für uns gekreuzigten und gestorbenen Jesus Christus, der zu Gott heimgekehrt ist und über die Toten liebevoll richtet; und wir sind der Überzeugung, dass „der Mensch in der Identität seiner Person wiedererkennbar ein ewiges Leben bei Gott hat. Dass wir einander wiedertreffen, wiedererkennen können.“
(Petra Kurten, Professorin für Dogmatik in Eichstätt)

Also eigentlich dürfte uns unser eigener Tod nicht schrecken.
Er müsste uns viel eher hoffnungsvoll machen.
Und für unsere verstorbenen Angehörigen, die uns so sehr fehlen, deren Verlust uns so sehr schmerzt, sollten wir dankbar sein in der Erwartung, dass wir uns wiedersehen werden.

Doch da ist noch der Sterbeprozess, der uns mit Angst erfüllt. Aber auch hier finden wir schon im Altertum eine Überlegung, die uns Mut machen kann. Der Politiker und Philosoph Seneca betrachtet unser sterbliches Leben hier auf der Erde nur als ein Vorspiel für jenes bessere Leben, das uns nach unserem Tod erwartet.
Ganz ähnlich wie bei der Geburt sei unser Sterben. Denn vor der Geburt halte uns der mütterliche Leib umfangen, sorge selbstlos für unsere Entwicklung und bereite uns auf das Leben außerhalb seines Schutzes vor. Normalerweise würden wir erst dann von dort hinausgeschickt, wenn wir selbst atmen und im Freien überleben könnten.
Und dieser Weg nach außen sei durchaus beschwerlich.
Ebenso, sagt Seneca, spielt sich unser Leben im Sterben ab: Von der Kindheit bis zum Alter hat uns unser irdischer Körper heranwachsen lassen, sorgsam geborgen und für unsere künftige Umgebung reif gemacht. Jetzt im Sterben müssen wir den uns umgebenden Körper wieder verlassen und unsere Seele dem neuen Himmelslicht anvertrauen.

Gegen die körperlichen Schmerzen und Ängste bei Geburt und Sterben können heutzutage glücklicherweise hochentwickelte Schmerz- und Beruhigungsmittel der Palliativmedizin meist erfolgreich eingesetzt werden.

Der Dichter Carl Zuckmayer stellt die folgende Betrachtung an:
„Beim Einschlafen denke ich manchmal: Was wird mit mir sein, wenn ich nicht mehr aufwache?

Ich denke mir oft, dass ich vor der Geburt von meiner Mutter umgeben war, in ihrem Leib, ohne sie zu kennen.
Dann brachte sie mich zur Welt, und ich kenne sie nun und lebe mit ihr.
So, glaube ich, sind wir als Lebende von Gott umgeben, ohne ihn zu erkennen.
Wenn wir sterben, werden wir ihn erfahren so wie ein Kind seine Mutter, und mit ihm sein.“

„Es gibt viele Gedanken, Bitten und Sorgen, die uns noch bewegen.
Wir müssen damit nicht allein bleiben, denn unser Gott spricht:
‘Rufe mich an in der Not, so will ich dich erhören, so sollst du mich preisen’ (Psalm 50,15).

Also bringen wir nun in der Stille unsere ganz persönlichen Anliegen vor Gott.“
(Evangelische Fürbitten)

Vater unser


 

„…Liebe und Wärme in der kalten Welt…“

Aus dem Gottesdienst anlässlich der Pogromnacht vom 9. November 1938
am 8.11.2020 in Cappel

Noch einmal von der Wärme sprechen. Damit doch einige wissen: es ist nicht so, aber so könnte es sein!

Noch einmal von der Liebe sprechen. Damit doch einige sagen: Es war mal so und so soll es sein!

Noch einmal von der Hoffnung sprechen. Damit doch einige fragen: Was war da mal und wann kommt es wieder?

Und weil wir genau davon sprechen wollen, möchten wir jetzt von Otto Weidt erzählen. Haben Sie von ihm gehört?
Mitten in Berlin in den Hackeschen Höfen, deren Häuser noch aus der Kaiserzeit stammen, gibt es seit 1999 ein kleines Museum. Es ist genau in den Räumen eingerichtet, in denen der im ersten Weltkrieg fast erblindete Otto Weidt Anfang der 1940er Jahre eine Besen- und Bürstenbinderei eröffnete. Er war kein Jude, aber er wusste genau, was er von den Nazis zu halten hatte und war ihnen gegenüber ohne Furcht, energisch und oft listig. So beschreibt ihn seine spätere Biographin, Inge Deutschkron. Sie, eine Jüdin, war selbst eine von denen, die in Otto Weidts Werkstatt Arbeit und dadurch Schutz vor den Nazis fanden. Dabei war sie eine der wenigen Sehenden; in der Werkstatt arbeiteten hauptsächlich blinde, daneben auch gehörlose Juden, die die Besen und Bürsten in Handarbeit herstellten.
Besen und Bürsten? Im Krieg eine sehr begehrte und nicht mehr leicht zu bekommende Ware, was auch die Armee zu spüren bekam. Also hatte Weidt Wehrmachtsaufträge, was seine Werkstatt zum „wehrwichtigen Betrieb“ machte.
Die Aufträge der Wehrmacht führt er aber meist nur auf deren ausdrückliches Drängen aus. Viel wichtiger sind ihm Tauschgeschäfte: immer wieder zweigt er von seinem „Bürstensoll“ etliches ab, tauscht es z.B. gegen Fleisch oder Wein, damit seine jüdischen Schützlinge wenigstens ab und zu gutes Essen haben. Vor allem geht es aber darum, dass sie nicht hungern müssen, denn die Lebensmittelrationen für Juden werden immer kleiner. Genauso tauscht er seine Rosshaarbürsten gegen echte Luxusartikel wie französisches Parfüm, Champagner, gegen all das, was auch nationalsozialistische Beamte nicht mehr bekommen können. Und damit besticht er Nazis zugunsten seiner jüdischen Schützlinge.

Aber dann bekommt Levi, einer der Arbeiter die gefürchteten „Listen“, Vorboten der Deportation. Auf der Stelle nimmt Weidt ihm die Papiere ab, zieht Mantel und Blindenbinde an und geht (so beschreibt es seine Biographin) „laut mit dem Stock auf den Boden stoßend, aus dem Büro. Dabei sprach er kein Wort, die Lippen waren fest zugekniffen, sein Gesicht drückte unbändige Wut aus.“ Und später schreibt sie: „Ich weiß nicht mehr, wann Weidt von der Gestapo zurückkehrte(…) ‚Das ist erledigt‘, sagte er zu dem angstvoll wartenden Levi. … und mit einem verschmitzten Lächeln fügte er hinzu: ‚Wie soll ich denn meine Wehrmachtsaufträge ausführen, wenn man mir meine Arbeiter
wegnimmt? ‘ “
Aber nicht lange danach fährt ein großer Möbelwagen in den Hof der Werkstatt. Gestapo-Beamte springen heraus und fordern laut schreiend, dass sich alle jüdischen Blinden fertig machen sollen, sie würden abgeholt.
Fast ohnmächtig vor Zorn, stürmt Weidt wieder zur Gestapo und es lag wohl an der Bestechlichkeit der Nazis da, dass er seine Blinden ein paar Stunden später wieder aus dem Sammellager abholen kann. (s. Bild)

Es schien, als sei dies sein letzter Sieg. Aber nachdem zwei von ihm in der Werkstatt versteckte Familien verraten und nach Auschwitz gebracht worden waren, macht er sich allein auf den Weg in das KZ Auschwitz und dort gelingt es ihm mit List, unerschöpflicher Beharrlichkeit und mit der Hilfe eines polnischen Zivilarbeiters doch noch, zwei der deportierten Frauen im Januar 1945 zur Flucht zu verhelfen.
Otto Weidt starb 1947 im Alter von 64 Jahren an Herzversagen. Im Nachkriegsdeutschland erfuhr er keine Anerkennung mehr, aber in der Nationalen Gedenkstätte Israels „Yad Vashem“ steht sein Name bei den „Gerechten unter den Völkern“. Erst seit 1993 erinnert eine in den Boden eingelassene Tafel vor seiner früheren Werkstatt an ihn, auf der es heißt: „ In diesem Haus befand sich die Blindenwerkstatt Otto Weidt. Hier arbeiteten in den Jahren 1940 – 1943 vornehmlich blinde Juden und Taubstumme. Unter Einsatz seines Lebens beschützte Weidt sie und tat alles, um sie vor dem sicheren Tod zu retten. Mehrere Menschen verdanken ihm das Überleben.“

Damals – und Heute?

Gottes Spuren – auf einer in den Boden eingelassenen Platte, einer „Stolperplatte“, die von „Liebe und Wärme in der kalten Welt“ erzählt – und von Hoffnung. Wir haben Hoffnung und wir bitten um mehr davon.
Wie war Otto Weidt, der doch nur etwa die Hälfte seines Lebens „richtig“ sehen konnte? Er war selbstsicher, lebenslustig, listig, beharrlich. Eigenschaften, die man in Studien über Zivilcourage in der Nazizeit als typisch erkannte. (Nicht zuletzt durch das Beispiel Oskar Schindlers…) In armen Verhältnissen aufgewachsen, wurde Weidt Anstreicher (Maler) wie sein Vater. Doch er wollte lernen, sich bilden und suchte und fand Menschen, die ihm dabei halfen.
Das grausame Verhalten der Nazis, das andere in Furcht und Schrecken versetzen, das lähmen konnte, machte ihn so zornig, dass er losstürmte und das Unrecht mit allen ihm zu Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern suchte. „Sobald er von der Richtigkeit seines Handelns überzeugt war, schreckte er vor Gefahren nicht zurück“, das haben die über ihn gesagt, die ihn kannten. Er war gewohnt, sich ein Urteil zu bilden und es auszuhalten, auch wenn die meisten anders dachten. Und richtig, das war für ihn alles, was Menschen zu einem guten friedvollen Leben half. Ein Leben mit Wärme, Liebe, Hoffnung. Was würde Otto Weidt zu unserer Welt sagen, wenn er noch lebte? Vielleicht: Bei euch überwiegt uninteressierte ablehnende Kälte statt Wärme, es gibt Hassbotschaften statt Liebe und statt Hoffnung, Leben nur im Moment und nur für euch selbst. Aber vielleicht würde er auch sagen: Auch bei euch ist das Leben nicht so leicht, es gibt von allem entweder zu viel oder zu wenig. Man macht Euch vor, es gäbe Sicherheit – wie wenig es davon gibt, wisst Ihr vielleicht auch durch Corona. Ihr müsst wie wir das Trotzdem leben und daran glauben, dass es wieder anders, dass es besser werden kann.
Glauben - „trotzdem“ glauben. Trotzdem vertrauen,
und „Hoffen wider alle Hoffnung“ wie es in einem Lied heißt.
Hoffen wider alle Hoffnung, denn wir sind ja nicht allein… Wir haben Jesus‘ Versprechen dafür! Und dieser Jesus hat auch gesagt: „Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Seid deshalb klug wie die Schlangen und doch ohne Hinterlist wie die Tauben“ (Mt 10, 16)
Und er traut uns zu, dass wir irgendwie mit der Situation klar kommen…
Wie war Jesus, was wissen wir von ihm aus der Bibel? Energisch? Liebevoll? Überlegt? Kreativ? Gedankenvoll? Lebenslustig? Beharrlich? Mitfühlend? Überzeugend? Mut machend? Listig? Zärtlich? Verunsichernd? Kühn? Verantwortungsbewusst? Bahn brechend? Vertrauensvoll?
Und manchmal dabei auch müde, ängstlich, zornig, unsicher, traurig…

Und wir, wie sind wir und wie können, wie möchten wir sein?
Und warum, wenn dieser Jesus, der immer wieder gesagt hat „Fürchtet Euch nicht“, es uns doch zutraut – warum sollten wir es nicht auch ab und zu schaffen und dagegenhalten? Für das Leben, für unser eigenes, für das unserer Kinder, für das zukünftiger Generationen einfach mal gegen den Strom schwimmen. Es gibt so viele gelungene Beispiele dafür, dass ich gar nicht erst versuche, sie aufzuzählen… aber vielleicht haben wir ja mal die Gelegenheit, uns von unseren ei