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19. Sonntag nach Trinitatis: Heilung an Leib und Seele

Klaus Meiß
Die Wochenandacht

Der gute Hirte (Stephen Muir auf Pixabay)

Wochenspruch

Heile du mich, Herr, so werde ich heil. Hilf du mir, so ist mir geholfen. (Jer 17, 14)

Sonntag

Krankheit zeigt uns unsere Grenzen. Sie macht uns auch bewusst, dass wir unseren Körper nicht unendlich belasten können. Wir müssen uns schützen, nicht nur in Zeiten der Pandemie. Krankheit zeigt uns unsere Grenzen auf und erinnert uns daran, dass wir sterblich sind.

Insofern kann Krankheit auch eine positive Wirkung haben. Sie hilft uns, unsere Ziele neu zu stecken und an unsere Grenzen, die uns von Gott gesetzt sind, anzupassen. Sie gibt uns die Möglichkeit, auszuruhen und uns auf Wesentliches zu besinnen: Wir sollen auf unseren Körper achten und schützen.

Auch die Seele kann nicht unbegrenzt belastet werden. Unsere seelischen Nöte können sich auf unseren Körper auswirken und uns körperlich krank machen. Seelische Krankheiten können uns lähmen. Unsere Seele braucht Phasen der Ruhe und Entspannung. Die Seele baumeln lassen, das ist es, was wir immer wieder brauchen.

Wenn Gott sich uns mit seiner heilenden Kraft zuwendet, dann immer so, dass er beides meint, unseren Leib und unsere Seele. Das Heil, das er uns schenkt, ist vollkommen und lässt nichts aus.

Darum lautet der Wochenspruch, der beim Propheten Jeremia im 17. Kapitel steht: „Heile du mich, Herr, so werde ich heil. Hilf du mir, so ist mir geholfen.“

Beten

Jeremia formuliert hier grundlegende Einsichten zum Beten. Zuerst geht es um das Eingeständnis: Ich schaffe es nicht allein, ich brauche Gottes Hilfe! „Hilf Du mir, so ist mir geholfen!“ Dieser Herr hilft in der Krankheit, er hilft in unserer Schuldverstrickung, er hilft uns in unserem Alltag. Unsere Sehnsucht nach Sinn, Frieden und Gerechtigkeit kann von diesem Herrn gestillt werden. Das gilt für alle Lebenslagen. Ohne Gottes Segen geht es eben nicht.
Dann wendet sich Jeremia an Gott als sein ewiges Gegenüber. Er scheint geradezu krank zu werden in seiner schwierigen Situation als Prophet. Der Kontext zeigt: Keiner fragt mehr nach Gott, alle geben die religiösen Traditionen auf. Aber Jeremia wird in eben diese Situation gesandt, um die Menschen zur Umkehr zu rufen, mit Gott zu konfrontieren. Denn nach biblischer Überzeugung sind die Menschen nicht nur Gottes Geschöpfe, sondern auch sein Ebenbild. Sie sind auf Gemeinschaft mit Gott und ihren Mitmenschen angelegt.

Gott hat diese Welt nicht nur geschaffen, er ist in den Zerbruch dieser Welt getreten und hat zusammengebracht, was zerbrochen und zerstört war. Gott sandte seinen Retter, um Neues zu schaffen. So kommt uns Gott ganz nah. Er schafft nicht nur die Welt als dem Nichts und erhält alles durch seinen Willen, sondern kommt uns in Jesus selber persönlich nahe.

Zum Beten gehört also das Vertrauen in Gottes Gegenwart und Nähe: „Hilf du mir, so ist mir geholfen!“ Gott hört uns, er erhört unsere Bitten. Er ist wie ein Vater, der mit seinen Kindern barmherzig umgeht.
Jeremia hat es selbst erlebt, dass er Gottes Hilfe in seinem Leben gespürt und erfahren hat. Das bewegt ihn, wenn er mitten im Leid bekennt: „Die Güte des HERRN ist’s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Der HERR ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen. Denn der HERR ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt. Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des HERRN hoffen“ (Klagelieder 3,22-26).

Der Krieg um Jerusalem hörte nicht einfach auf, die Angreifer entfernten sich nicht, sondern sie eroberten die Stadt und zerstörten den Tempel. Das Volk wandte sich nicht dem Gott Jeremias zu. Es wurde nicht „alles gut“. Aber mitten in dem furchtbaren Erleben von Krieg, Verschleppung und Orientierungslosigkeit formuliert Jeremia diese Sätze des Wochenspruches. Sie können nicht aus der eigenen Gegenwart abgeleitet werden, sondern weisen über die eigene Zeit hinaus auf einen ewigkeitlichen Augenblick. Entgegen den Erlebnissen der Gegenwart erfahren Menschen wie Jeremia Gottes plötzliche und unverfügbare Zuwendung. Daraus entstehen die Klagelieder, die Gottes Treue wider den Augenschein bekennen.

Die Botschaft für uns

Wir werden konfrontiert mit den Schrecken einer Pandemie, die wir noch vor wenigen Jahren für undenkbar gehalten hätten. Nach wenigen Monaten der Zurückhaltung und der Disziplin dachten wir schon, wir hätten es geschafft, Corona wäre besiegt. Aber die aktuellen Fallzahlen zeigen uns, dass dies nicht so ist. Die Hoffnung auf ein schnell entwickeltes Gegenmittel zerplatzt. Wir schaffen das gerade nicht.

Wir alle sind schwach und bedürftig, auch wenn uns das nicht immer klar ist. Deshalb müssen wir umkehren von unserer Selbstüberschätzung eines „Wir schaffen das“. Es braucht nicht nur unsere Disziplin, unsere Rücksichtnahme auf andere. Ein „Wir schaffen das selber“, greift immer zu kurz.

Der Wochenspruch lädt uns ein, mitten in den Risiken der Pandemie unsere Beziehung zu Gott zu suchen und uns seiner Nähe zu vergewissern. Das kann durch ein Innehalten am Morgen und am Abend geschehen. Das führt uns vielleicht zu regelmäßigen Gottesdienstbesuchen zurück. Vielleicht wechseln wir in einen neuen Modus des „Beten und Arbeiten“. Das evangelische Gesangbuch bietet eine Fülle von Anregungen für unser persönliches Leben mit Gott.

Gebet

Herr unser Gott. Wir müssen eingestehen, wie ratlos und machtlos wir uns empfinden angesichts dieser Pandemie. Nun stehen wir vor Dir und suchen Deine Nähe.

Wie Jeremia bitten wir: „Heile du mich, Herr, so werde ich heil. Hilf du mir, so ist mir geholfen.“ Nimm Dich unser an. Stehe den Kranken bei und gib den Ärzten Weisheit.

Schütze die Menschen, die im Gesundheits- und Pflegesektor arbeiten. Bewahre sie vor Ansteckung, schenke ihnen Mut und Kraft.
Schenke den Menschen Einsicht, dass Rücksichtnahme auf andere allen hilft. Zeige uns selbst, wo wir unseren Lebensstil um der anderen Willen verändern müssen.

Lied EG 324 Ich singe dir mit Herz und Mund

1 Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust; ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewusst.
2 Ich weiß, dass du der Brunn der Gnad und ewge Quelle bist, daraus uns allen früh und spat viel Heil und Gutes fließt.
3 Was sind wir doch? Was haben wir auf dieser ganzen Erd, das uns, o Vater, nicht von dir allein gegeben werd?
4 Wer hat das schöne Himmelszelt hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns unser Feld mit Tau und Regen netzt?
6 Wer gibt uns Leben und Geblüt? Wer hält mit seiner Hand den güldnen, werten, edlen Fried in unserm Vaterland?
7 Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, du, du musst alles tun, du hältst die Wach an unsrer Tür und lässt uns sicher ruhn.
8 Du nährest uns von Jahr zu Jahr, bleibst immer gut und treu und stehst uns, wenn wir in Gefahr geraten, treulich bei.
11 Du zählst, wie oft ein Christe wein und was sein Kummer sei; kein Zähr und Tränlein ist so klein, du hebst und legst es bei.
12 Du füllst des Lebens Mangel aus mit dem, was ewig steht, und führst uns in des Himmels Haus, wenn uns die Erd entgeht.
13 Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut! Dein Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut.

CCLI-Liednummer 4337788 Johann Crüger | Paul Gerhardt, CCLI-Lizenznummer 1874272

 


 

Einige Gedanken zur Güte

Zu meinem letzten Geburtstag bekam ich ein kleines Büchlein geschenkt. Es trägt den Titel „Herzlichen Glückwunsch übrigens“ und stammt von dem amerikanischen Autor George Saunders. Das Büchlein enthält eine Rede, die Saunders im Jahre 2013 als Abschlussrede vor Studenten der Universität Syracuse gehalten hat. Sie wurde übers Internet geteilt und innerhalb weniger Tage von mehr als einer Millionen Menschen gelesen. Auf dem Buchrücken stehen tatsächlich die nachfolgenden Worte: „Was auf diesen Seiten steht, erklärt, worauf es im Leben wirklich ankommt.“ Das macht natürlich neugierig!

Ich kannte den Autor George Saunders vorher nicht. Er ist 61 Jahre alt, von Beruf Hochschullehrer (er lehrt kreatives Schreiben) und Schriftsteller. In den Vereinigten Staaten gilt er als einer der besten Autoren von Kurzgeschichten der Gegenwart. Seine mehrfach ausgezeichneten Kurzgeschichten erscheinen z. B. in Zeitschriften wie The New Yorker oder Harper‘s Magazine.

Worum geht es in seiner Rede? Es geht um Güte (Untertitel: „Ein paar Gedanken zur Güte“) und auch darum, dass Saunders am meisten in seinem Leben bereut, nicht gütig gewesen zu sein. Landläufig versteht man unter Güte eine freundlich-nachsichtige Einstellung gegenüber jemandem. Eine Gelassenheit im Umgang mit anderen Menschen, die sie so sein lässt, wie sie nun einmal sind. Sie nicht ändern will. Und dies sendet ein Signal an die Menschen: „Im Umgang mit mir musst Du Dich nicht verbiegen. Ich nehme Dich, wie Du bist.“ Diese Eigenschaft müsste daher eigentlich in einer Zeit, die eher auf Äußerlichkeiten Wert legt, eine besondere Strahlkraft besitzen. Und doch scheint Güte ein eher aus der Mode gekommener Begriff zu sein. Wer spricht heute noch von einem Menschen, der Güte ausstrahlt? Am ehesten geschieht dies vielleicht noch im Zusammenhang mit sehr alten, gelassenen Menschen.

Die Bibel hält Güte für eine wesentliche Eigenschaft des Menschen. So sagt Jesus: „Lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig.“ (Matthäus-Evangelium 11, 29). Und Paulus schreibt im Brief an die Galater: „Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit.“ (Brief an die Galater 5, 22).

Diese Gelassenheit im Umgang mit anderen Menschen ist uns allen zu wünschen, weil sie letztlich vieles einfacher macht und unser Leben und das Leben der anderen durch Begegnungen, die so möglich sind, bereichert. Dies gilt ganz besonders in fordernden Zeiten wie den gegenwärtigen. Gerade weil Begegnungen so viel mühsamer sind und Masken zwar einerseits schützen, aber andererseits unser Minenspiel teilweise verdecken. Hier bedarf es des wohlwollenden Blicks auf die Mitmenschen, auch wenn man ihre Absichten nicht immer klar erkennen kann.
Güte brauchen wir aber auch in besonderem Maße uns selbst gegenüber. Denn wer ist nicht häufig gerade sich selbst gegenüber streng? Und bewertet Fehler bei sich selbst viel unnachgiebiger als bei anderen?

Zum Schluss möchte ich George Saunders zitieren, der den Studenten zuruft: „Seid euch selbst ein guter, aktiver, durchaus auch etwas verzweifelter Patient – widmet den Rest eures Lebens der Suche nach der wirksamsten Medizin gegen Egoismus. Findet heraus, was euch gütiger macht, wie ihr euch öffnen könnt und was euer liebevollstes, großzügigstes und unerschrockenstes Ich zum Vorschein bringt – und strebt danach, als wäre alles andere egal.
Denn tatsächlich ist alles andere egal.“

Andreas Rein


 

Andacht im September

Tauferinnerung

Ich bin getauft auf deinen Namen,
Gott Vater Sohn und heilger Geist;
Ich bin gezählt zu deinem Samen,
zum Volk, das dir geheiligt heißt.
Ich bin in Christus eingesenkt,
ich bin mit seinem Geist beschenkt.

Von Martin Luther wird überliefert: Wenn er in persönlichen Schwierigkeiten oder Nöten war, dann habe er mit dem Finger auf die Tischplatte geschrieben: „Ich bin getauft!“
Das hat ihm wieder Trost und Mut gegeben.
Wann denken wir eigentlich an unsere Taufe? Vielleicht, wenn wir im Gottesdienst eine Taufe miterleben. Und der Text aus dem 28. Kapitel des Matthäusevangeliums, der vom Taufbefehl spricht, ist den meisten sicher auch bekannt:

16 Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.
17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.
18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.
19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes
20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Zu unserem Leben mit Gott gehört die Taufe. Sie steht am Anfang unseres Lebens oder eines Lebensabschnitts, z.B. der Konfirmation.
Aber die Taufe ist nicht nur ein formaler Aufnahmeakt in unsere Kirche. Nein. In der Taufe geschieht die Begegnung mit Gott.
Taufe bedeutet: Gott sagt „ja“ zu mir.
Er stellt sich in der Taufe mir zur Seite.
In der Taufe widerfährt dem Täufling das, was schon der Prophet Jesaja im Auftrag Gottes dem Volk Israel zusagt:

Ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

 

Gott hat uns erkannt, und er hat uns erlöst. Erlöst aus den Zwängen und Strukturen dieser Welt, ehe wir sie selbst bewusst an uns erfahren haben. Gott weiß, wie es um uns steht. Deshalb begegnet er uns und will uns nahe sein. Wir brauchen die Sicherheit, zu jemandem zu gehören. Und das geschieht in und mit der Taufe. Wir sind Gottes Kinder!

Gott schenkt uns mit der Taufe seine Zuneigung. Das Fundament unseres Lebens hat er gelegt, seinen Geist in unsere Herzen gepflanzt. Nun liegt es an uns, ob wir seinen Ruf hören wollen.
Die 11 Jünger taten es damals. Sie setzten sich in Bewegung. Sie hatten die Anfeindungen miterlebt, denen Jesus und sie ausgesetzt waren, hatten seinen schrecklichen Tod am Kreuz erlebt, aber auch seine ganz andere Lebendigkeit nach seiner Auferstehung. Mit zwiespältigen Gefühlen machen sie sich nun auf, zurück nach Galiläa, wo sie hergekommen waren, zurück in ihren Alltag. Was würde sie nun dort erwarten?
Jesus enttäuscht die Jünger nicht. Denn sie finden den Auferstandenen in ihrem Alltag ganz neu. Nicht als den alten Bekannten, sondern Jesus tritt in ihr Leben in ganz anderer Weise: Die Jünger leben von nun an in der Gewissheit, dass er da ist, auch in ihrer veränderten Welt, auch wenn er nicht leiblich anwesend ist.

Die Jünger sind aber auch Menschen, die zweifeln, wie auch wir so manches Mal zweifeln. Die Jünger sind keine Helden, so wie auch wir keine sind.

„Ich bin getauft!“ hat Martin Luther mit dem Finger auf die Tischplatte geschrieben, wenn er zweifelte oder verzweifelt war.

Diese Erinnerung an unsere Taufe kann auch uns helfen, aus unseren Zweifeln und Ängsten herauszutreten.
Jeder einzelne von uns und wir als Kirche und Gemeinde stehen manchmal vor Aufgaben, die uns unlösbar escheinen.
Wie die zweifelnden Jünger, die dort auf dem Berg stehen.
Wie werden wir mit dem veränderten Leben in der Pandemie fertig, mit den Einschränkungen, der Einsamkeit? Wie lange wird das noch so gehen?
Wie schaffe ich die Schule, meine Ausbildung, mein Studium, werden sich junge Menschen fragen...

Was sagt Jesus zu seinen Jüngern?
„Geht hinaus in alle Welt...“!

Aber so wie Jesus seine Jünger nicht in ihren Zweifeln zurückließ, so lässt er auch uns nicht allein.
Er sagt uns zu: Ihr seid angenommen!
„Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

„Ich bin getauft!“, so schrieb es Martin Luther.

Und der Prophet Jesaja hat es so ausgedrückt:

„Ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“

Gott
Wasser ist etwas Köstliches
Es macht frisch und jung, wenn wir verschwitzt sind
Es macht sauber und rein, wenn wir schmutzig sind
Es labt uns, wenn wir Durst haben
Wasser ist etwas Köstliches

Im Wasser ist Leben
Ohne Wasser verwelken die Blumen
Ohne Wasser sterben die Keime
Ohne Wasser verschmachten Menschen und Tiere
Im Wasser ist Leben

Wasser ist wie Du, Gott
Köstlich und lebendig
Durch Wasser rettest du Menschen
Durch Wasser hast du Noah und seine Familie gerettet
Mose und sein Volk

Dein Sohn Jesus Christus ist köstliches Wasser
Er macht unser Herz jung und frisch, rein und sauber
In ihm leben wir auf
Durch ihn sind wir gerettet
Geist Gottes
Du ruhst auf dem Wasser
Es gibt Kraft und lässt uns werden
zum lebendigen Wasser

nach Anton Rotzetter

Cappel, im September 2020
Margrit Walter


 

Beginne jeden Tag wie ein neues Leben

Andacht zum Mitnehmen für den 13. September

Dieser Satz von Tomas Sjödin, einem schwedischen Pastor, gefällt mir. Vom Neuanfang ist hier immer wieder die Rede. Da bringe ich aus den Erfahrungen des letzten Tages das Gute mit und das, was mir nicht so gut gelungen ist, darf ich neu versuchen.

Neues Leben heißt dann auch, dass nichts festgeschrieben ist, dass mir Erkenntnisse geschenkt werden, die meine Wahrnehmung und damit auch mich verändern. So wird Leben zu einem Prozess, in dem ich mich entwickeln darf.

„All Morgen ist ganz frisch und neu ...“ - dieses alte Lied aus dem 16. Jahrhundert kommt mir dabei in den Kopf.

Sind Sie ein „Morgenmensch“? Erleben Sie ab und zu oder meistens den beginnenden Tag noch in der Stille der Morgendämmerung, wenn die Vögel, einer nach dem anderen, anfangen, ihr Lied zu singen? Wenn der Tag wie ein unbeschriebenes Blatt, frisch und sauber vor  uns liegt? Oder ist dieses Blatt schon voll mit Sorgen, mit Ängsten, mit Schmerzen beschrieben?

Jetzt in den Sommermonaten fällt es uns leichter, das Fenster weit zu öffnen und die Frische eines neuen Tages tief einzuatmen.

Ein Tagesbeginn ist auch immer ein Sieg der Helligkeit über die Dunkelheit der Nacht. Das kann Kräfte wecken, tröstlich und inspirierend sein. Ich nehme mir die Zeit, jeden Tag ein Morgenritual zu gestalten. Dazu lese ich einen kleinen Text aus der Bibel, meistens von Jörg Zink, der die Bibeltexte in einer für unsere heutige Zeit sehr verständlichen Weise erzählt. Mit dieser Inspiration frage ich mich dann: „Was wird mich heute erwarten?“

Ich will diesen neuen Tag nicht in der Routine vieler kleiner Gewohnheiten „verschleudern“, sondern bewusst und aufmerksam durch den Tag gehen, diesen neuen Tag so gut ich kann gestalten, Möglichkeiten erkennen, wo ich Anderen Licht, Hoffnung und Mut zusprechen kann, oder dieses auch von anderen erfahre.

Das folgende Gebet von Jörg Zink will uns Mut machen für jeden neuen Tag.

Beginne jeden Tag wie ein neues Leben

Dazu gibt es eine kleine Geschichte:

In einem kleinen Dorf, irgendwo im Land, lebte ein alter, weiser Mann. Er war 90 Jahre alt geworden und sah zufrieden und glücklich aus. Da sagte einer zu ihm: „So ein schönes langes Leben! So viele Jahre lebst du schon!“ Der Alte antwortete: „Du lebst immer nur einen Tag“. Das hatte ihn das Leben gelehrt (Phil Bosmans).

Und so können wir sicher sein, die Dunkelheit der Nacht löst sich immer wieder in die Helligkeit eines neuen Tages auf, den wir mit Gottes Hilfe neu gestalten und erleben dürfen.

All Morgen ist ganz frisch und neu,
des Herren Gnad‘ und große Treu‘;
sie hat kein End‘ den langen Tag,
drauf jedes sich verlassen mag.

Singen Sie doch einmal dieses uralte Lied aus dem 16. Jahrhundert mit. Es steht im Evangelischen Gesangbuch S. 440.

Erika Berger, Bortshausen


 

Gedanken zum Sonntag

Wenn das Leben stürmisch wird

Die Segel sind gesetzt, der Wind ist günstig und alle sind an Bord.
„Kommt, lasst uns zum anderen Ufer fahren“ hat Jesus gesagt. Und so rudern sie los, Jesus und seine Jünger. Jesus, müde vom Tag, legt sich zum Schlafen hinten im Boot auf einem Sitzkissen nieder. Die Jünger rudern. Auf halber Strecke schlägt das Wetter um. Ein Sturm zieht auf und die Wellen schlagen immer höher. Mit ganzer Kraft versuchen die erfahrenen Seeleute das Boot vor dem Umkippen zu bewahren. Hartnäckig aber schlägt der Sturm das Wasser ins Boot. Es droht zu kentern. Die sturmerfahrenen Fischer packt die Angst.

Und was tut Jesus?

Jesus schläft. Mitten im Sturm. Als die Jünger am Ende ihrer Kräfte und Weisheit sind, wecken sie Jesus auf. „Wir gehen unter! Kümmert dich das denn gar nicht?“ fragen sie ihn. Jesus steht auf, spricht ein Machtwort zu dem Sturm und befiehlt dem tobenden See: „Schweig! Sei still!“ Der Sturm legt sich und es wird still. „Warum habt ihr solche Angst?“, fragt Jesus. „Habt ihr denn immer noch kein Vertrauen?“

Wenn das Leben stürmisch wird

Manchmal bricht ein Sturm ganz überraschend in unser Leben: Eine unerwartete Diagnose vom Arzt, nicht geplante Reparaturkosten, ein nicht zu bewältigendes Arbeitspensum. Wir tun alles menschen-mögliche, um den Kopf über Wasser zu halten und nicht unter-zugehen. Aber es reicht nicht. Wir kommen an unsere Grenzen. Und dann beginnt der Sturm um uns herum auch tief in uns zu toben und wir wissen nicht mehr ein noch aus.

Was tun?

Wo ist Gott wenn man ihn braucht, mag man sich manchmal fragen. Auch mitten in unserem Sturm scheint Jesus seelenruhig zu schlafen. Wir fühlen uns alleine gelassen, zweifeln vielleicht auch an Gottes Liebe für uns. Warum hat er den Sturm überhaupt zu-gelassen? Es wäre doch ein Leichtes für ihn, uns vor allem Unglück zu bewahren.

Jesus ist mitten in den Stürmen unseres Lebens.

Jesus lässt uns nicht im Stich. Wenn wir uns ihm zuwenden, zu ihm beten, mit ihm sprechen, ist er hellwach. Er hört uns zu und kommt uns zu Hilfe. Wir brauchen keine Angst haben. Angst ist Zweifel an Gottes Liebe. Auch die Jünger haben and Gottes Liebe gezweifelt: „Wir gehen unter. Kümmert dich das gar nicht?“

Warum scheint Jesus manchmal zu schlafen?

Wir sind Jesus nicht egal. Er weiß, was er tut. Genau wie den Jüngern, hat er auch uns alles gegeben, damit wir unversehrt durch den Sturm kommen. Nur geben auch wir das Ruder unseres Lebens ungern aus der Hand. Wir verlassen uns erst einmal auf unsere eigene Kraft und Fähigkeiten.

Die Rettung im Sturm

Der Allmächtige Gott ist stärker als jeder Sturm. Gott hat alles unter Kontrolle. Er stellt uns alles zur Verfügung, damit wir gut durchs Leben kommen. Manchmal vergessen wir das. Genau wie die Jünger, erinnern wir uns nicht an das, was Gott uns zugesagt hat. Jesus selbst hatte gesagt, lasst uns zum anderen Ufer fahren. Und was Jesus sagt, erfüllt sich. Auf sein Wort kann man sich verlassen.

Sein Wort

Was hat Gott Dir versprochen? Ich gebe Dir Frieden. Ich bin Deine Stärke. Bittet und ich gebe euch Weisheit. Ich verlasse Dich nicht. Es gibt tausende Verheißungen in der Bibel. Gott hat für jede Situation vorgesorgt. Hole ihn ins Boot. Gemeinsam mit ihm lässt sich jeder Sturm stillen.

Verheißungen Gottes:

Aber alle, die auf den Herrn vertrauen, bekommen immer wieder neue Kraft, es wachsen ihnen Flügel wie dem Adler. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und brechen nicht zusammen. (Jesaja 40,31)

Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten werden auf allen deinen Wegen. (Psalm 91,11)

Er heilt die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden. (Psalm 147,3)

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. (Psalm 23,1)

Sorgt euch um nichts; sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden. Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus! (Philipper 4,6-7)

Wir dürfen uns darauf verlassen, dass Gott unser Beten erhört, wenn wir ihn um etwas bitten, was seinem Willen entspricht. Und weil Gott solche Gebete ganz gewiss erhört, dürfen wir auch darauf vertrauen, dass er uns gibt, worum wir ihn bitten. (1. Johannes 5, 13-14)

Ich singe dir mit Herz und Mund

Ich singe dir mit Herz und Mund,
Herr, meines Herzens Lust;
ich sing und mach auf Erden kund,
was mir von dir bewusst.

Ich weiß, dass du der Brunn der Gnad
und ewge Quelle bist,
daraus uns allen früh und spat
viel Heil und Gutes fließt.

Was sind wir doch? Was haben wir
auf dieser ganzen Erd,
das uns, o Vater, nicht von dir
allein gegeben werd?

Du füllst des Lebens Mangel aus
mit dem, was ewig steht,
und führst uns in des Himmels Haus,
wenn uns die Erd entgeht.

Wohlauf, mein Herze, sing und spring
und habe guten Mut!
Dein Gott, der Ursprung aller Ding,
ist selbst und bleibt dein Gut.

Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil,
dein Glanz und Freudenlicht,
dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil,
schafft Rat und lässt dich nicht.

Einen gesegneten Sonntag
Hanna Fett


 

Glaube, Hoffnung, Zuversicht

Die Redensart „Glaube kann Berge versetzen“ kann durchaus ernst genommen werden. Denn ein fester Glaube und festes Vertrauen, mit dem Wissen getragen zu werden und nicht allein zu sein, können hilfreich sein, schwierige Situationen zu überwinden.
So setze ich meinen Glauben auch aktuell bei der Corona-Pandemie ein.
Dies lässt mich trotz der vielen Einschränkungen positiv in die Zukunft blicken und hoffen.
Hoffnung auf mehr Nachhaltigkeit, weniger Luftverschmutzung, weniger Reisen, weniger Fleischverzehr, bewussterer Umgang mit Gottes Schöpfung, überwiegend junge Menschen die sich für Klima und Umwelt auf die Straße begeben.
Aus Fehlern zu lernen und Dinge besser machen zu wollen.

Weitere Hoffnung habe ich durch Freude auf die laufende Ernte von Gemüse, Getreide und Früchten.

Blumen und Blütenbracht, Gottesdienste und Übungsstunden des Posaunenchors an frischer Luft zeigen Lebendigkeit und geben mir Zuversicht.

Zuversicht auch im Umgang untereinander, Hilfe anbieten, teilen, abgeben, Dinge zu verschenken - stehen auf dem Bürgersteig, für andere einkaufen gehen, anrufen, um zu erfahren wie es der/dem Anderen geht, zuhören, Kontakt halten, für einander da zu sein, wenn auch mit etwas mehr Abstand.
Aber in der Gewissheit, Gemeinsam ist man nicht allein.

Dieses wieder entdeckte Miteinander wünsche ich mir auch dauerhaft. Fröhlich und respektvoll aufeinander zu achten.

Glaube, Hoffnung, Zuversicht.

Dietrich Bonhoeffer hat es in seinen Zeilen von guten Mächten wunderbar zusammengefasst:

Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Peter Hesse, Cappel


 

Voll - Wert

Andacht zum Mitnehmen
Im Kirchspiel Cappel-Beltershausen für den 6. Sonntag nach Trinitatis am 19.07.2020

WERT – Was ist das?

Wenn ich das Wort Wert höre, denke ich an Geld, an den Wert eines Hauses, oder eines Autos, an Wertanlagen oder die Bank. Mir fällt auf, dass ich manchmal erst, wenn mir etwas fehlt, merke, welchen Wert es für mich hat. Z.B. wenn ich vor meiner Haustür stehe und meinen Schlüssel nicht finde. Dann merke ich, wie viel Wert mein Schlüssel für mich hat. Auch wenn ich mit Menschen zusammen bin, die ich gerne habe - mit meiner Familie oder meinen Freunden - merke ich oft erst wenn ich wieder zu Hause bin, wie viel Wert diese Menschen für mich haben.

Wenn ich genauer darüber nachdenke, hat das Wort WERT für mich auch noch eine innere Dimension. Wie oft beschäftigt mich die Frage: Was macht meinen Wert aus? Mein Aussehen? Meine sportlichen Leistungen? Meine musikalischen, mathematischen, künstlerischen Fähigkeiten? Disziplin? Besser zu sein als die Anderen? Anerkennung zu bekommen? - Was steht bei Ihnen an dieser Stelle?

Was passiert, wenn ich Dinge, über die ich mich definiere, auf einmal nicht mehr kann? Vielleicht weil ich mich verletzt habe und nicht mehr laufen kann oder weil mir Schwieriges begegnet ist und mir Kraft raubt. Weil jemand anderes gekommen ist, der es besser kann oder weil sich mein Umfeld geändert hat und ich mich noch darauf einstellen muss. Weil es mir schwerfällt, mich auf Veränderungen einzulassen. Was passiert dann mit mir?

Ich bin dann ziemlich aufgeschmissen. Die Dinge, die mir scheinbar Wert geben, sind nicht mehr sicher. Das beginnt schon wenn ich mein Handy verlege. „Ich kann niemanden mehr anrufen, keine Nachrichten mehr empfangen und keine Dinge mehr nachschauen“. Schon diese kleinen Dinge verunsichern mich und bringen meine Sicherheiten ins Wanken und damit auch meinen eigenen Wert. Wenn sich große Dinge verändern, Menschen aus meinem Leben treten, meine Arbeitsstelle wegfällt oder sich ändert, dann wird die Unsicherheit deutlich größer und mein Wert schwankt stärker.

Wenn man an das Wort WERT noch das Wort VOLL anfügt, entsteht das Wort WERTVOLL.

Wenn ich über das Wort VOLL nachdenke, denke ich an ein volles Wasserglas, an einen Tag voll mit Freude, an genug und zufrieden sein. Ich denke an die Natur, die so voller Wunder ist. Gerade hier begegnet mir das Wort VOLL besonders oft. Es weckt meistens angenehme Gefühle in mir: es ist voller WERT.

Gott sagt über uns Menschen, dass wir WERTVOLL sind. Wir sind wertvoll für ihn. Voll, ganz voll mit Wert. Voll mit etwas von dem wir so oft denken, wir haben es nicht? Wir SIND voll Wert. Wir müssen nicht erst etwas erreichen, besser, schneller oder effektiver werden. Wir verlieren unseren Wert nicht, wenn wir unsere Arbeitsstelle, unsere Freunde, unsere Fähigkeiten verlieren. Nein, nichts macht uns wertvoll. Wir sind wertvoll, so wie wir gemacht sind. Auch wenn ich mich nicht immer so fühle, in Gottes Augen ist unser Leben wertvoll. Sichtbar wird das für mich in der Geschichte vom verlorenen Schaf in Lukas 15,4-7. Das Leben des Schafs ist für Gott so wertvoll, dass er alle anderen zurücklässt und es suchen geht.

Sie und ich - wir sind wertvoll. Einfach weil wir sind.

Lily Schunk Gemeindepraktikantin im Juli


Glaube schützt - wie eine Sonnenbrille

Andacht zum Mitnehmen
im Kirchenspiel Cappel-Beltershausen für Anfang Juli 2020

Schwer genießbar

Wir Fleißigen, Streng-Erzogenen, Ernsten, wir wollen immer alles richtig machen und es gleich erledigen. Löblich. Aber der Nachteil: Das macht uns für unsere Mitmenschen manchmal schwer genießbar und für uns selbst das Leben anstrengend. Deshalb ein Tipp: …

Brille auf!

Sie gehören nicht zu den Fleißig-Streng-Erzogenen? Haben Sie aber vielleicht ähnliche Seiten hier und da in sich? Jedenfalls – ich möchte allen, für die es passt, eine Brille empfehlen, so wie man sich im Hochsommer einer Sonnenbrille bedient. Die filtert zu grelle Lichtstrahlen heraus. Der Glaube, sozusagen aufgesetzt wie eine Brille, filtert eine Zumutung heraus:

Die Zumutung, dass wir uns unser Glück selber verdienen müssen.

Ulrike lässt es sich gut gehen

Ulrike geht noch mal zurück um Auto. Das Licht ist heute so hell! Dauernd muss sie die Augen zusammenkneifen. Ihre Gesichtsmuskeln sind schon ganz verkrampft. Da braucht sie ihre Sonnenbrille. Nun kramt sie im Auto; hier, Seitentür, da ist sie. Sauber? Na, mag gehen. Klack, die Schlösser schnappen zum, sie macht sich wieder auf den Weg. Schön, die paar Meter Pfad mit dem grauen Basaltsplitt. Unter ihren Sohlen knirscht er leise. Sie liebt diese schmalen, kleinen Wege, und wenn sie sich schlängeln, statt nur geradeaus zu führen. Noch ein Stückchen zu gehen und sie hat die grüne Bank wieder erreicht. Nun lässt sie sich darauf nieder.

Schöner Ausblick! Links der Frauenberg mit seinem runden Küppel, hellgrau schließen sich die Lahnberge an, kleine weiße Quader zwischen den Bäumen lugen hervor, das sind die Gebäude der Universität. Noch weiter drüben ragt der Turm des Heizwerkes auf. Davor strecken sich die Felder rund um Großseelheim; blond neben dem Grün, das sind die Gerstenfelder; wie dunkle Augen liegen dazwischen die Baggerseen um Niederwald. Jetzt kann sie entspannt auf das alles schauen.

Ha! - Ulrike zuckt, ein Schatten springt über sie, über die Büsche. Ruck, wendet sie den Kopf nach oben: ein Segelflieger. Ach so. Kein Grund, zu erschrecken. Der dreht jetzt eine scharfe Kurve, hell gleißend fällt von den Flügelkanten das gespiegelte Sonnenlicht zurück. Dann verschwindet er hinter ihrem Rücken. Sie wendet den Blick wieder nach vorn, schweift, träumt in die Landschaft.

Was tut der Seele gut?

Sonnenbrillen filtern zu grelles Licht. Der Glaube filtert die Zumutung heraus: Das wir uns unser Glück selber machen müssen.

Ulrike lässt es sich gut gehen. Lassen wir uns Freude machen, von Menschen, von Geschöpfen, von Gott. Sicher müssen wir auch was tun für unser Wohlergehen. Aber bei den Seelen ist es bestimmt so: Die Seelen nährt Gott.

Aus dem Psalter

Herr, deine Güte reicht,
soweit der Himmel ist,
und deine Wahrheit,
soweit die Wolken gehen.
Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben.
Sie werden satt von reichen Gütern deines Hauses
und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.
Denn bei dir ist die Quelle des Lebens
und in deinem Licht
sehen wir das Licht.

W. Glänzer, Pfarrer

 

In der Liebe

Andacht zum Mitnehmen im Kirchenspiel Cappel-Beltershausen für Ende Juni 2020

Wer das Wort „Gott“ ausspricht, hat das Wort „Beziehung“ schon mit ausgesprochen.

Wer das Wort „Gott“ denkt, hat das Wort „Gemeinschaft“ schon mitgedacht.

Wer an Gott denkt, denkt „Zuneigung“.

Gott – dreifaltig ?

Warum stellen wir uns im Christentum Gott vor als Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit? Als Vater, Sohn, Heiligen Geist; als Schöpfer, Christus, Geist? Unsere Nachbar- Religionen, Judentum und Islam, halten uns vor, wir täten damit Gottes Würde Abbruch. Gott ist der eine Schöpfer, der eine Herr. Mehrere Personen – das widerspreche seiner Größe und Majestät.

Warum ist unsere Rede trotzdem sinnvoll? Ich finde vor allem eines daran gut. In unserer Vorstellung ist Gott in seinem innersten Wesen Beziehung. Gott ist schon in sich Gemeinschaft. Gott ist Wort, so hören wir oft in der Bibel. Und Wort heißt: Rede, Antwort, Hören. Gott ist - Zuneigung!

Natürlich ist er nur EIN Gott, aber der ist von Anfang an schon immer Beziehung.

4:30 Uhr. Aufgeschreckt.

Vier Uhr dreißig? Ja, so viel Uhr könnte es ungefähr sein, denkt Jürgen. Das Tageslicht fällt schon durch die Ritzen des Rollladens. Kräftig pfeifen die Vögel draußen. Jürgen ist aus dem Schlaf aufgeschreckt. Er versucht sich selbst zu beruhigen. Er hört in sich hinein; auf seinen Puls lauscht er. Läuft der wieder so flach und schnell? Zu schnell? Mehrere Morgen nacheinander ist er so aufgeschreckt. Erst eilte der Puls, dann ließ er nach. Jürgen hatte vor zehn Jahren eine Herzerkrankung. Kehrt sie wieder? Ruhig muss ich bleiben, sagt er sich. Zieht die Decke bis zu den Ohren, schwitzt, … seliger Schlummer … Vergessen … er schrickt wieder auf. Nächstes Jahr wird er 60. Was ist mit ihm?

Ich bin ein Gefäß voller Angst, denkt Jürgen. Wie ein Gefäß voller Angst. Wenn die doch wegginge.

Was können wir Jürgen raten? Gut, ist es, Jürgen, wenn du erkennst: Es handelt sich um Angst. Was wir benennen, hat schon etwas weniger Macht über uns. Aber nun raten wir dir: So wie du den Satz vom Gefäß wiederholst, wiederhole doch etwas anderes. Könntest du dir stattdessen sagen: Gott hat mich lieb? Deshalb darf ich auch mich selber lieb haben? Gott hat mich lieb, morgens, wenn ich mich ängstige, und wenn es besser läuft, am Abend. Gott hat mich lieb, egal, ob meine Sorgen begründet sind oder – meine Umgebung sagt – „eingebildet“. Gott hat mich lieb. Drum darf ich es auch.

 

Liebe Leserinnen und Leser, wer „Gott“ sagt, hat „Zuneigung“ schon mit gesagt.

So sagt es Psalm 145, Vers 8 + 9:
Der Lebendige ist gnädig und barmherzig, voll Langmut und reich an Liebe. Der Lebendige ist gut gegen alle, sein Erbarmen waltet über all seinen Werken.
Amen.
W. Glänzer, Pfarrer


Vorstellung Pfarrer Wischnewski

Liebe Cappeler, liebe Ronhäuser, liebe Bortshäuser und liebe Beltershäuser,

ich bin neu hier, Micha Wischnewski mein Name und ich arbeite seit Mai als Pfarrer im Gespann von Pfarrer Glänzer und Pfarrerin Zeeden. Ursprünglich war ich als Vakanzvertretung für Wolf Glänzer gedacht, der aber seine Sabbatzeit wegen der besonderen Situation in der Coronakrise verschiebt. Nun freue ich mich, dass ich dennoch mit vielen Aufgaben betraut bin und das nächste halbe Jahr hier mitwirken werde. Zu meinen Aufgaben gehört der Konfirmandenunterricht, das Halten von Gottesdiensten, Kasualien wie Beerdigungen, Taufen und Trauungen und vieles mehr. Ich freue mich hier zu sein, denn Stimmung und Atmosphäre in der Gemeinde sprechen mich sehr an. Zuvor war ich mit einer halben Stelle an der Lutherischen Pfarrkirche in Marburg tätig.

Was mir am Glauben wichtig ist

Für mich ist Gott nichts Fernes, sondern Gott finden wir in uns. Ich glaube, dass wir mit unserer Seele, unserem Herzen immer mit Gott verbunden sind und deshalb können wir Gott/das Göttliche auch in uns finden. Um dies wahrzunehmen, kann Stille helfen, damit sich das gedankliche Gewirr des Alltags lichtet und wir auf das hören, was sich in unseren Herzen, in unserer Seele regt.

Und so kann Glaube/Spiritualität uns zu dem führen, was in unserem Leben wesentlich ist. Wir kommen bei uns selbst an und kommen damit wieder in Einklang mit uns.

Als Pfarrer möchte ich Räume schaffen, in denen Menschen die Möglichkeit haben, mit dieser Dimension des Lebens in Berührung zu kommen.

Die Meditative Andacht, die ich nach wie vor in der Lutherischen Pfarrkirche alle zwei Monate veranstalte, ist so etwas: Ein besinnlicher Gottesdienst mit Liedern aus Taizé, Stille und Kerzenschein (26.06. 20:00 Uhr/ Lutherische Pfarrkirche). In Cappel beginnt nun ein „Gesprächskreis Spiritualität“, dieser trifft sich alle 5-6 Wochen, das nächste Mal am 18.06. um 19:30 Uhr im Paul-Gerhard-Haus.

Für Menschen, die sich Gott in der Natur besonders nah fühlen, werde ich am 06.06. von 13-18 Uhr eine Tagesseminar im Marburger Wald anbieten.
Das Seminar heißt: „Schöpfungsspiritualität - Der Wald ist meine Kirche“.

Wenn Sie Interesse an einem dieser Angebote haben, dann schreiben Sie mir doch gerne oder rufen Sie mich an: michael.wischnewski@ekkw.de, 06424 9298934.

Von Ostfriesland nach Marburg

Geboren bin ich 1980 an der Küste von Ostfriesland. Viele von Ihnen werden die Stadt Norden mit ihrem Hafen Norddeich-Mole kennen. Von dort fahren Sie mit der Fähre auf die Ostfriesischen Inseln.

Zum Studium hat es mich nach Marburg verschlagen. Zunächst habe ich ein Studium für das gymnasiale Lehramt in den Fächern Sport und ev. Religion abgeschlossen, bevor ich mich entschied noch auf Pfarramt zu studieren. Mein Vikariat habe ich auch in Marburg in der Lukas- und Paulusgemeinde absolviert. Seit 2018 war ich an der Lutherischen Pfarrkirche und nun bin ich bei Ihnen. Ab Oktober werde ich dann Pfarrerin Krautheim, die sich in Elternzeit befindet, in Rauischholzhausen vertreten.

Nun freue ich mich auf das, was mich hier in Cappel, Beltershausen, Ronhausen und Bortshausen erwartet.

Vielleicht lernen wir uns einmal persönlich kennen, ich würde mich freuen!

Bis dahin wünsche ich Ihnen alles Gute und Gottes Segen!

Ihr Pfarrer Micha Wischnewski


31.Mai 2020

Grenzen überwinden

Theresia Zeeden

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander.
Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. (Apostelgeschichte 2, 1-2)

Ein Brausen, ein gewaltiger Lufthauch – das kann gefährlich sein.
Wenn die Luft um uns gefüllt ist mit Tröpfchen – das kann ansteckend sein. Halte Abstand, komm mir nicht zu nah!
Es liegt mehr in der Luft als Gefahr.
Nämlich die Angst. Die kennt Gertrud, die Dame vom Seniorenheim nur zu gut.
Sie dringt schon tief in sie ein. Auch Angst ist ansteckend. Jede beargwöhnt die andere, ob sie sich auch an die Abstandsregeln hält.
Im Supermarkt geht unsere Dame möglichst schnell an andern vorbei. Manche Menschen gehen ihr mit den Augen aus dem Weg. Oder haben sie Gertrud etwa hinter der Maske gar nicht erkannt?
Wie lange soll das so bleiben? fragt sie sich.
Wie halte ich, wie halten das die Kinder aus, ohne Schaden zu nehmen? Menschen voneinander zu trennen, das ist grausam, findet sie.
Wochenlang die Enkelin nicht zu sehen, das tut weh.

Sie blättert in der Bibel, die sie sich heute vom Nachttisch auf den Küchentisch gelegt hat. Neben Butterdose, Zwiebeln und Tomaten liegt sie da. Sie passt auf, dass sie keine Fettflecken bekommt.
Heute ist Pfingsten, und deshalb möchte sie lesen, was da passiert ist. Nach einigem Suchen findet sie die Stelle in der Apostelgeschichte. Sie liest im 2.Kapitel:

Alle wurden erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. (Vers 4)

Ein Glück! Gertrud atmet auf. Da sind sie alle zusammen. Nicht aufgeteilt nach 1,5m Abstand. Kein Mund-Nasen-schutz! Alle werden erfüllt vom Geist. Männer und Frauen, Alte und Junge. Schließlich gehören alle zusammen. Sie sind verbunden miteinander, weil sie Christus nachgefolgt sind, weil er ihnen jetzt fehlt.
Sie stellt sich vor, wie es damals wohl war. Wahrscheinlich haben die Jüngerinnen und Jünger erst auch Angst gehabt. Ob sie deshalb alle in einem Haus waren? Sich nicht raus trauten? Sie erinnert sich, dass zu Beginn des Christentums Christen verfolgt wurden. Mancherorts bis heute verfolgt werden. Also gar nicht dumm, dass die Jünger sich versteckt haben.
Verrückt, sagt sie zu sich selbst, das ist ja so ähnlich wie heute. Wo sich die Menschen, die man „Gefährdete“ nennt, auch nicht mehr aus dem Haus trauen.
Aber dann ist Bewegung in sie gekommen. Es ist nicht geblieben beim Brausen des Windes drinnen im Haus. Nein, der Geist Gotts ist über sie gekommen. Und draußen entsetzen sich die Menschen, weil passiert, was nicht sein kann:
Sie hören, sie verstehen die Jünger. Jeder hört sie in seiner Muttersprache reden.
Der Funke springt über in Jerusalem, in dieser multikulturellen Stadt: Kretern und Ägyptern, Medern und Elamitern, Menschen aus Phrygien und Pamphylien, sie lauschen den Jüngern.

Was vorher unmöglich war, plötzlich gelingt es den Jesus-Anhängern: sie sind nicht mehr von Angst bestimmt.
Sondern vom Heiligen Geist.
Was der ihnen einflüstert?
Geht nach draußen.
Sprecht mit Menschen, von denen ihr denkt: Mit denen haben wir gar nichts zu tun. Die sind uns fremd und wir sind ihnen fremd.

Für Gottes Geist es geht um alle Menschen. Da gibt es keine Grenzen mehr. Sprachgrenzen lösen sich auf, kulturelle Unterschiede machen neugierig, und Andersartigkeit bereichert.
Gertrud denkt an ihren Nachbarn aus Eriträa. Wie er sie angesprochen hat vor einem Jahr. Wie er mit Freunden im Garten saß und sie dazu eingeladen hat. Zu eriträischem Essen. Mit der Sprache hat es zwar noch gehapert – aber das freundliche Lächeln war bezaubernd.

Der Hl. Geist verbindet auch das Alte und das Neue Testament. Petrus zitiert in seine Pfingstrede den Propheten Joel:

Es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben;
und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. (Vers 17-18)

Unsere Söhne und Töchter sollen weise sein.

Sie sagen es uns längst: Wir leben auf dem einen Globus zusammen. Da gibt es keine Grenzen mehr. Gerade jetzt ist die Zeit, zu teilen, was da ist. Gott verbindet alles, was lebt auf dieser einen Erde. Der Heilige Geist führt uns alle zusammen.


Gedanken zum Sonntag
Exaudi

24.05.2020

Geh aus, mein Herz und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie dir und mir
sich ausgeschmücket haben.

 

Die Amsel weckt mich morgens, abends erfreut sie mich mit ihrem Abendlied. Meisen laben sich am Nektar des Flieders, der in voller Blüte steht, üppig blühen die Rhododendren, der Goldregen verströmt sich, Narzissen und Tulpen haben unser Herz schon erfreut...

Da finde ich mich wieder in den Versen des Liederdichters Paul Gerhard, der in insgesamt 15 Strophen kunstvoll die sommerliche Natur betrachtet und ihre Schönheit bewundert.

Er preist die Natur aus vollem Herzen - geradezu überschwenglich beschreibt er Gottes schöne Natur.
Alles, was er sieht, wird in allen Einzelheiten beschrieben, Gottes Schöpfung in ihrer irdischen Schönheit: erst die Pflanzenwelt, Bäume, Narzissen und Tulpen. Dann die Tiere in freier Wildbahn, Lerche, Taube, Nachtigall, Storch und Schwalbe, Hirsch und Reh. Dann kommt der Mensch hinzu, der von den Gaben der Natur lebt, von Schafen und Bienen, von Wein und Weizen. Und alles das ist für ihn Gottes Gabe.

Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide.
Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an
als Salomonis Seide.

Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fliegt aus seiner Kluft
und macht sich in die Wälder;
die hochbegabte Nachtigall ergötzt und füllt mit ihrem Schall
Berg, Hügel, Tal und Felder.

Die unverdrossne Bienenschar fliegt hin und her, sucht hier und da
ihr edle Honigspeise;
des süßen Weinstocks starker Saft bringt täglich neue Stärk und Kraft
in seinem schwachen Reise.

Der Weizen wächset mit Gewalt; darüber jauchzet jung und alt
und rühmt die große Güte
des , der so überfließend labt und mit so manchem Gut begabt
das menschliche Gemüte.

Die Coronapandemie spricht da eine ganz andere Sprache:
Weltweit fast hunderttausend Todesopfer und täglich kommen unzählige hinzu. Dann die schwerwiegenden Folgen, die noch gar nicht abzusehen sind und die viele Menschen verunsichern und ihnen Angst machen.
Wie können wir mit solchen Widersprüchen leben?
Können wir da überhaupt aus vollem Herzen in Paul Gerhards Lob mit einstimmen?

In gewisser Weise sind wir in der gleichen Situation wie damals Paul Gerhard. Er hat die Schrecken des 30-jährigen Krieges erlebt, er hat seine Frau und 4 Kinder bis auf einen Sohn verloren, hat erlebt, wie Pest und Pocken die Hälfte der Bevölkerung hinweggerafft hatten.

Auch sein Bruder stirbt an der Pest. Und diese Schrecken, die er erlebt hat, klingen durchaus auch in den anderen Strophen an. Da ist die Rede vom Joch des Leibes und der Sehnsucht nach dem Himmelszelt, dem Paradies, nach einer besseren Welt.

Das Faszinierende aber ist, dass Paul Gerhard trotz allem ein glücklicher Mensch gewesen sein muss. Es überwiegt ein positiver Grundton, der in allen Strophen durchschimmert und sein tiefes Gottvertrauen offenbart.

Wenn wir im Augenblick die erwachende Natur erleben, das Grün der Wälder, die Blumenpracht in unseren Gärten - haben wir dann nicht allen Grund, auch und trotz allem dankbar zu sein?

Mögen auch wir uns ein wenig von Paul Gerhards Lied, von seiner Freude an der Natur, und von seinem Gottvertrauen anrühren lassen.

Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen.

Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum
und lass mich Wurzel treiben.
Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum
und Pflanze möge bleiben.

Wir gehen in diesen Sonntag auch mit Dankbarkeit. Wir sind dankbar für die üppige Natur. Dankbar auch für all die Menschen, die in dieser schweren Zeit für andere da sind, Ärzte, Krankenschwestern, Wissenschaftler, die bis zur Erschöpfung arbeiten, Politiker, die schwere Entscheidungen treffen müssen. Wir bitten für alle, die krank sind, für die, die Angst haben, die alleine und einsam sind.
Barmherziger Gott, neige dich zu ihnen und bleibe an ihrer Seite.

Einen gesegneten Sonntag wünsche ich Ihnen!
Margrit Walter

Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?
Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.
Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.
Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen?

Mt 6,26.28-30


Gedanken zum Sonntag

Wenn das Leben Dir eine Zitrone schenkt

Manchmal hat das Leben Überraschungen parat, die uns gar nicht schmecken. Wie ganz aktuell die Coronavirus-Krise. Plötzlich ist das Leben anders. Aber auch Krankheit, der Verlust der Arbeitsstelle, oder der Tod von geliebten Menschen kann das Leben, das gerade noch so schön war, dramatisch verändern. Wie geht man damit um?

Wie kann man schwierige Situationen bewältigen?

Eine Antwort gibt die Geschichte von David, nachzulesen in der Bibel im Alten Testament, 1. Buch Samuel, Kapitel 30.

Ich fasse die Geschichte kurz zusammen:
David ist auf Erfolgskurs. Mit seinen 600 Soldaten hat er seit Monaten jede Schlacht gewonnen. Nun, nach drei Monaten Krieg freuen sich alle auf ihre Familien. Als sie sich ihrer Heimatstadt nähern, sehen sie, dass diese bis zu den Grundmauern niedergebrannt ist. Von ihren Kindern und Frauen fehlt jede Spur. Die Männer schreien vor Schmerz und weinen bitterlich. Sie weinen so lange, bis sie keine Tränen mehr haben. Von diesem Schicksalsschlag erbittert, suchen die Soldaten einen Schuldigen. Sie sind so wütend auf David, ihren Heerführer, dass sie ihn umbringen wollen.

David dagegen reagiert anders. Er zieht sich zurück, wendet sich an Gott und ermutigt sich selbst. Als er wieder Mut gefasst hat, fragt er Gott: Was soll ich tun? Und Gott antwortet ihm.

David und die Soldaten brechen wieder auf, verfolgen ihre Feinde und erobern ihre Frauen und Familien zurück. Alles, was ihnen Ihre Feinde gestohlen hatten, bekommen sie zurück. Und mehr als das. Neben ihren Frauen und Kindern nehmen David und seine Soldaten noch eine fette Kriegsbeute mit.

Was können wir aus dieser Geschichte lernen?

Vor Gott darf man ehrlich sein. Die Männer haben geweint. Sie haben ihren Schmerz zugelassen und ihn „herausgeweint“. Auch wir können ehrlich sein vor Gott. Wenn wir den Schmerz loslassen, können Mut und Hoffnung wieder einziehen.
Es ist wichtig, nicht zu verbittern. Manche Menschen sind so überwältigt vom Schmerz, dass sie bitter werden. Sie suchen einen Schuldigen oder klagen gar Gott an. In ihrer Verbitterung wollten die Männer in der Geschichte sogar David töten, obwohl er für die Situation gar nicht verantwortlich war.
Wer sich Gott zuwendet, bekommt neuen Mut. David wendet sich Gott zu. Aber das Vertrauen auf den Herrn, seinen Gott, gab ihm Mut, heißt es in der Bibel. David hat sich selbst ermutigt.

Wie kann man wieder Mut fassen?

1. Wie oft hat Gott versorgt, beschützt, geheilt, getröstet? Es hilft, sich daran zu erinnern, was Gott in der Vergangenheit in unserem Leben getan hat. Gott ist derselbe gestern, heute und morgen. Er ändert sich nicht. Deshalb können wir uns auf ihn verlassen. Er ist uns allen in Liebe zugewandt und geht mit uns durch jede schwierige Zeit. Keinem von uns ist er fern.

2. Wenn man darüber nachdenkt, wer Gott ist, dann wird schnell klar, dass es kein Problem gibt, das er nicht bewältigen kann. Schließlich ist er allmächtig. Es gibt immer einen Ausweg. Gott hat einen guten Plan für unsers Leben. Er kann und will uns gerne helfen, weil er uns liebt. Er liebt uns auch dann, wenn wir uns selbst nicht mehr lieben können. Er möchte jeden Menschen von Angst und Schuld befreien und neue Hoffnung geben.
Kommt her zu mir, alle die ihr mühselig beladen seid, und ich werde euch Frieden geben, sagt Jesus.

Das Gebet ist eine Möglichkeit, Gott nahe zu kommen. Wer selbst keine Worte findet, kann dieses Gebet sprechen:

Jesus, ich verstehe nicht, warum ich gerade so viel Schmerzhaftes erlebe. Ich gebe Dir meine Enttäuschung, meine Wut, meine Bitterkeit. Fülle mich mit Deinem Heiligen Geist, dem Tröster, und lass mich Deine Liebe und Deinen Frieden spüren. Zeige mir den Weg aus dieser Situation. Danke, dass Du mich liebst und Gutes für mich möchtest. Du bist für mich und nicht gegen mich. Ich weiß, dass ich eines Tages wieder glücklich sein werde, wenn ich sehe, wie viel Gutes Du in meinem Leben getan hast. Du Herr, bist ein guter Gott, der seine Kinder liebt. Deshalb vertraue ich Dir. Amen.

Egal, wie es Ihnen gerade geht, es gibt tausend Gründe Gott zu loben und Gott zu vertrauen. Davon spricht auch das Lied 171:

1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns auf unsern Wegen.
Sei Quelle und Brot in Wüstennot,
sei um uns mit deinem Segen,

2. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns in allem Leiden.
Voll Wärme und Licht im Angesicht,
sei nahe in schweren Zeiten,

3. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns vor allem Bösen.
Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen,

4. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns durch deinen Segen.
Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,
sei um uns auf unsern Wegen,

Text: Eugen Eckert (1985) 1987

Einen gesegneten Sonntag
Hanna Fett, Frauenberg-Beltershausen


Andacht für Jubilate, den 3. Sonntag nach Ostern,
3. Mai 2020

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!

Eine ältere Frau kauft sich im Schnellrestaurant eines großen Kaufhauses eine Suppe. Sie trägt den dampfenden Teller an einen der Stehtische und hängt ihre Handtasche darunter. Dann geht sie noch einmal zur Theke zurück, um einen Löffel zu holen.

Als sie zurückkehrt, sieht sie an ihrem Tisch einen Schwarzen, offensichtlich einen Ausländer, der da dreist an ihrem Tisch steht und schon ihre Suppe löffelt
„Typisch," denkt sie, „was fällt dem dreisten Mann eigentlich ein?! ”

Sie hält kurz inne, will ihn ansprechen, „aber er kann wahrscheinlich eh kein Deutsch.“ Also stellt sie sich ebenso dreist zu ihm hin und löffelt mit ihrem Löffel aus der gleichen Suppe. Schließlich hat sie sie bezahlt! Sie sprechen kein Wort, der Mann lächelt sie aber an. „Dreister Kerl!", denkt sie sich, „so kann man also auch an sein Essen kommen."

Nach dem Essen holt der Mann für sie beide Kaffee und verabschiedet sich dann höflich, immerhin. Erstaunt bedankt sich die Frau - jetzt auch mit einem Lächeln.

Als sie gehen will, findet sie ihre Handtasche nicht. „Also doch ein hinterhältiger Betrüger! Das hätte man sich ja gleich denken können! ” Mit rotem Gesicht schaut sie sich um. Er ist verschwunden.

Aber am Nachbartisch - sieht sie ihre Handtasche hängen. Und einen Teller Suppe, inzwischen kalt geworden...

nach: Impulse zur Fastenzeit 2010
[zeit-zum-nachdenken@t-online.de]

Welche Gedanken könnten der Frau mit dem roten Kopf hinterher gekommen sein?

„Meine Güte,“ stöhnt da die Frau, völlig erschüttert, „was ist mir da nur passiert?“

Aber ich habe es doch geglaubt, ich war doch im Recht. Ich musste mich doch so fühlen.

Sie schüttelt nachdrücklich den Kopf. „Ich hatte meine Suppe doch bezahlt und war nur noch einmal an die Theke gegangen, um den vergessenen Löffel zu holen. Und da stand dieser fremde Mann an meinem Teller und aß davon. Ein Schwarzer, ein Ausländer! Und nach Deutsch sah er gar nicht aus. Dem hätte ich doch gar nicht klarmachen können, dass er nicht von meinem Teller essen darf. Aber, verflixt, ich hatte ja bezahlt und Hunger hatte ich auch. Also habe ich ebenfalls zugelangt. Und der dreiste Kerl fühlte sich offenbar überhaupt nicht gestört. Er grinste mich sogar an. Klar darf er mit mir vom gleichen Teller
essen! Denkste!.
Und als der leer ist, holt er sich und mir einen Kaffee. Ich kann’s nicht glauben. Und beim Weggehen grinst er wieder freundlich. Pfff., er kann offenbar Deutsch.

Und dann erst der Schreck: Wo ist meine Handtasche?